„Ein immer breiteres Themenspektrum erfordert Know-how und Ressourcen.“

Neuer Prüfstand für die tribologische Evaluierung von Dichtringen (Bild: Universität Stuttgart)

04.06.2018 „Ein immer breiteres Themenspektrum erfordert Know-how und Ressourcen.“

Aktuelle Entwicklungen in der Dichtungstechnik im Kontext zur 20th ISC

von Dr.-Ing. Frank Bauer (Institut für Maschinenelemente (IMA) - Universität Stuttgart)

Die ISC, International Sealing Conference in Stuttgart, gibt alle zwei Jahre einen vertieften Einblick in die Entwicklungen der Dichtungstechnik. Über die diesjährigen Schwerpunkte und aktuelle Trends unterhielt sich DICHT! mit Dr.-Ing. Frank Bauer vom Institut für Maschinenelemente der Universität Stuttgart, der dieses Jahr erstmals die fachliche Leitung übernommen hat.

Die Einreichungen zur ISC und die Anfragen  an das IMA sind immer ein Spiegel aktueller Trends. Wo liegen aktuell die Prioritäten?
Dr. Bauer: Zunächst ist festzustellen, dass die Anfragen an das IMA wieder vielfältiger werden. Während wir in den letzten drei bis fünf Jahren hauptsächlich Untersuchungen im Bereich der Elastomer-Radialwellendichtungen durchgeführt haben, sind jetzt zusätzlich Anfragen aus dem Bereich Hydraulikdichtungen, Werkstoff-Charakterisierungen, Tribometer-Untersuchungen hinzugekommen und auch kleine Gleitringdichtungen werden anscheinend wieder gebraucht. Die Beratungen finden in allen Industriezweigen statt. Seien es Abdichtungen für Roboter, Flugzeuge, Bagger, Schiffe oder verstärkt alle Dichtungen im Automobilbereich. Das betrifft auch die statischen Dichtstellen.

Die Anfragen spiegeln auch aktuelle Trends, wie die Abdichtung von Maschinen und Komponenten mit höheren Drehzahlen und Temperaturen, schneller wechselnde Drehbewegungen und zunehmend die Öl-Elastomer-Verträglichkeit. Dies sind dann natürlich auch u.a. Themen der Einreichungen zur ISC.

Gleitringdichtungen waren ja länger kein Thema mit hoher Priorität. Wie erklären Sie sich den Wandel?
Dr. Bauer: Gleitringdichtungen – zumindest die Industrieversionen – galten als weitgehend ausgereift. Die Funktion ist bekannt und es gibt kaum Probleme. Nun werden sie aber, z.B. für Wasserkühlungen in der E-Mobility, bei extremeren Bedingungen als bisher benötigt. Die Forschungen auf diesem Gebiet waren eingestellt und jetzt fehlt auch bei den Herstellern das notwendige Wissen, um auf die Schnelle angepasste und funktionierende Dichtsysteme auf extrem kleinen Bauraum günstig zur Verfügung stellen zu können. Dies ist damit auch ein gutes Beispiel einer verfehlten Forschungspolitik, unter der wir immer wieder leiden.

Dr.-Ing. Frank Bauer, IMA (Universität Stuttgart), Bereichsleitung Dichtungstechnik & StutCAD
„Wenn nicht mit Augenmaß und Blick auf die Zukunft geforscht wird, fehlen irgendwann dringend benötigte Lösungen. Bei der E-Mobility erleben wir das gerade wieder.“ Dr.-Ing. Frank Bauer, IMA (Universität Stuttgart), Bereichsleitung Dichtungstechnik & StutCAD