Gestern, heute, morgen

10 Jahre DICHT!

28.11.2016 Gestern, heute, morgen

Rück- und Ausblicke auf den Bereich DICHTEN KLEBEN POLYMER

von Dr. Michael Schlipf (FPS GmbH)

In den zehn Jahren, seit es die DICHT! jetzt gibt, hat sich im Bereich DICHTEN, KLEBEN, POLYMER einiges getan – ein Überblick aus den einzelnen Teilbereichen.

Polytetrafluorethylen (PTFE) – der Basiswerkstoff der Fluorpolymere ist weiterhin im Aufwind. Mit einem Weltmarktanteil von gegenwärtig 52% ist PTFE – bezogen auf den Gesamtfluorpolymermarkt – nach wie vor der wichtigste Vertreter. Auch in den nächsten Jahren geht man in Europa von einem weiteren kontinuierlichen Wachstum der Anwendungen von ca. 2% pro Jahr aus. Vor dem Hintergrund eines turbulenten PTFEJahrzehnts ist dies besonders positiv zu werten. Die größte Herausforderung der letzten Dekade stellte sich den Fluorpolymerherstellern vor ca. zehn Jahren, als der für die Emulsionspolymerisate verwendete Emulgator PFOA durch eine neue Substanz mit besserer Umweltverträglichkeit ersetzt werden musste. Durch eine gewaltige Anstrengung sind alle westlichen Hersteller von Fluorpolymeren ihrer Selbstverpflichtung nachgekommen, den in die Kritik geratenen Emulgator bis 2015 durch neue Substanzen zu ersetzen. Die Re-Qualifizierung der nach mit neuen Verfahren hergestellten Produkte ist nun geschafft und der Markt kann auf Basis einer zuverlässigen Versorgungssituation weiter wachsen. Als Folge der Internationalisierung der Märkte und einem entsprechenden Bestellverhalten der Endkunden ist davon auszugehen, dass auch die östlichen Hersteller von Fluorpolymeren auf die neuen Produktionsverfahren umstellen werden.

Als Folge einer temporären weltweiten Verknappung des Rohstoffes Flussspat kam es 2011 zu einem massiven Versorgungsengpass bei PTFE, insbesondere S-PTFE. Knappheit und vorübergehender Preisanstieg waren die Ursache, dass vermehrt „Non-in-kind“-Produkte, d.h. Endprodukte, hergestellt aus alternativen  Kunststoffen, auf den Markt kamen. Die wiedererlangte Versorgungssicherheit und die Stabilisierung der Preise – in Verbindung mit dem nichtsubstituierbaren Eigenschaftsprofil von PTFE – konnten diesen Trend nun wieder rückläufig machen. Mehr noch, Megatrends wie die Verknappung der Ressourcen, die globale Digitalisierung, E-Mobilität, erneuerbare Energien und das zunehmende Durchschnittsalter der Weltbevölkerung schaffen neue, wachstumsträchtige  Anwendungen für Fluorpolymere und insbesondere PTFE. Während PTFE-Anwendungen weltweit wachsen, nimmt aber der Verbrauch an PTFE-Rohstoffen speziell in Europa ab. Grund hierfür sind die zunehmenden Importe an Zwischen- und Fertigprodukten vor allem aus China. Europäische Verarbeiter reagieren hierauf mit globalen Kooperationen und insbesondere mit Differenzierung in neue, hochwertigere Produkte mit verbessertem Eigenschaftsprofil, die unter Einsatz innovativer Verarbeitungs- und Nachbehandlungstechniken hergestellt werden. Als Antwort auf die Verknappung des Rohstoffs Flussspat wurde z.B. von der Dyneon GmbH das Up-Cycling-Verfahren für End-of-Life-Produkte aus PTFE, PFA und FEP entwickelt. Erstmals wurde mit diesem Verfahren ein chemisches Recycling von vollfluorierten Polymeren im Pilotmaßstab in die Praxis umgesetzt. Da bei diesem Verfahren – im Gegensatz zu mechanischen Recycling-Verfahren – keine Qualitätsminderung der aus den rezyklierten Monomeren hergestellten Produkte in Kauf genommen werden muss, können die wiedergewonnenen Monomere ohne Einschränkung eingesetzt und der Recyclingprozess beliebig oft durchlaufen werden.

Dr. Michael Schlipf, Geschäftsführer, FPS GmbH
„Die schwierigen Herausforderungen bei PTFE in den letzten zehn Jahren konnten erfolgreich gemeistert werden. Auf Basis eines soliden Fundaments können die Unternehmen deshalb einer weiteren kontinuierlichen Wachstumsphase entgegensehen.“ Dr. Michael Schlipf, Geschäftsführer, FPS GmbH