Gestern, heute, morgen

10 Jahre DICHT!

28.11.2016 Gestern, heute, morgen

Rück- und Ausblicke auf den Bereich DICHTEN KLEBEN POLYMER

von Peter Thomsen (Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)

In den zehn Jahren, seit es die DICHT! jetzt gibt, hat sich im Bereich DICHTEN, KLEBEN, POLYMER einiges getan – ein Überblick aus den einzelnen Teilbereichen.

Im Bereich der statischen Dichtungen und Dichtverbindungen sind wir – insbesondere vor dem Hintergrund der Berücksichtigung der umfangreichen Regelwerke  und der erforderlichen Qualifizierung des Montagepersonals sowie der Komplexität einer Dichtverbindung immer wieder an die Grenze zwischen Theorie und Praxis gestoßen. Dass diese „Grenze“ nie transparent war und ist, ist sicherlich in Teilen der Geheimhaltung geschuldet, auf die man bei diesen Themen immer wieder schnell stößt. Über „Missgeschicke“ wie Leckagen wird zudem wenig öffentlich gesprochen – mit dem Nachteil, dass Dritte an dem „Lernprozess“ zu selten teilnehmen können, um sich so vor ähnlichen Erfahrungen zu schützen.

Eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis wird aber noch in einem anderen Bereich deutlich. So wurde gerade in den letzten Jahren durch die Anforderungen der europäischen Richtlinien (2014/68/EU Druckgeräterichtlinie, ex. 97/23/EG) eine Verschiebung hinsichtlich der Bedeutung von Dichtungen von einem C-Artikel zu einem sicherheitsrelevanten Bauteil, vollzogen. Damit steht ein solides theoretisches Grundgerüst zur Verfügung. In der Praxis sind Dichtungen und Dichtverbindungen allerdings eher stiefmütterlich behandelte Bauteile. Ein Beispiel ist ihr rechnerischer Nachweis. Die Anforderungen wurden drastisch erhöht. Eher selten kommen aber Dichtungen bisher mit den erforderlichen Abnahmeprüfzeugnissen und der aus Qualitätssicherungsgründen erforderlichen umfangreichen Kennzeichnung zum Einsatz. Dies machen z.B. Dichtungen im Sinne der Druckgeräterichtlinie deutlich. Hier gelten Dichtungen als wichtigste drucktragende Bauteile (ähnlich Leitlinie 7/8 für Schrauben). Sie sind Teile, die wesentlich für die Integrität des Druckgerätes sind (Leitlinie 7/6). Damit müssen sie auch die Anforderungen des Anhanges I erfüllen (Leitlinie 7/23). Viele der in der Praxis üblich verwendeten Dichtwerkstoffe haben gerade in Bezug auf die nicht zulässige physikalische und chemische Veränderung während des Betriebes ihre Probleme. So ist eine zukünftige Herausforderung, den Anwendern die seit vielen Jahren geänderten Anforderungen deutlich zu machen und ihre Sichtweise auf eine betriebs- und umweltsichere Dichtungstechnik zu schärfen. Das setzt
aber auch ein fundiertes Fachwissen voraus. Vielleicht wäre es wirklich an der Zeit, sich mit dem Berufsbild eines/einer entsprechend ausgebildeten Fachmanns/-frau auseinanderzusetzen, um zu einer ganzheitlichen, technisch einwandfreien Sicht auf die Auswahl, Gestaltung und Montage von Dichtverbindungen zu kommen. Analog zu Schweißnähten und Schrauben, in deren Nähe Dichtungen ja immer zu finden sind, denn den/die  Schweißfachingenieur/in und Schraubfachingenieur/in gibt es schon lange.

Peter Thomsen, Geschäftsführer, Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG
„Beim Einsatz regelkonformer Dichtungen haben wir die nächsten Jahre noch viel Luft nach oben.“ Peter Thomsen, Geschäftsführer, Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG