Der richtige Werkstoff  für eine Dichtung

Moderne Multilayerfertigung für höchste Anforderungen an Werkstofflösungen (Bild: Tec-Joint AG)

16.09.2019 Der richtige Werkstoff für eine Dichtung

Trends und Entwicklungen im Überblick

von Richard Gisler (Tec-Joint AG)

Die Antwort auf diese Frage ist angesichts der Vielzahl von Rohstoffen, Compounds und anwendungsspezifischen Rahmenbedingungen nicht einfach zu beantworten und erfordert viel Know-how auf verschiedenen Ebenen. Experten geben Impulse, worauf zu achten ist und wohin die Reise geht. 

Wie bereits in den letzten Jahren steigen die technischen Anforderungen weiterhin stark an. Waren es zuvor eher steigende Drücke und Temperaturen, so sind es heute Anforderungen an die Oberflächen, die Reinheit, die Dickentoleranzen u.v.m., die moderne Werkstofflösungen erfordern. Aber auch geänderte Normen haben einen erheblichen Einfluss. So müssen z.B. heute Elastomerwerkstoffe der neuen Bahnnorm DIN EN 45545 für Schienenfahrzeuge entsprechen. Eine fast unendliche Geschichte ist die Elastomerleitlinie und damit das Thema der Trinkwassernorm. Unabhängig von dieser Diskussion gibt es bisher auch schon Lösungen mit thermoplastischen Elastomeren oder mit entsprechenden Silikonen. Neuerdings gibt es aber auch Elastomermischungen, die den neusten Anforderungen entsprechen, sodass ein weiteres Verschieben der Wirksamkeit der Verordnung nicht mehr notwendig ist. Die Einflüsse von REACH und ROHS sind – gerade für Elastomerverarbeiter – auch weiterhin erheblich. Da eine Elastomermischung aus einer Vielzahl von Komponenten besteht, kann der notwendige Austausch auch nur einer Mischungskomponente fallweise zum völligen Versagen im Einsatz führen. Hier ist eine enge Zusammenarbeit der Mischungshersteller, der Verarbeiter und Kunden unabdingbar. In der Lebensmittelindustrie verstärkt sich die Forderung nach metalldetektierbaren Werkstoffen.

Durch unsere Spezialisierung auf Sonderlösungen liegt der Schwerpunkt der Entwicklung von Elastomerwerkstoffen eher auf der Kombination von Elastomeren mit anderen Materialien. Ein Beispiel ist die Kombination einer EPDM-Folie mit Faserverbundstoffen, wodurch u.a. eine erhöhte mechanische Belastbarkeit, verbesserte Dämmwerte und ein größerer Splitterschutz erreicht werden. Derzeit werden auf der Basis von 92 Mischungen und 26 Trägermaterialien Lösungen für ein breites Anwendungsspektrum entwickelt und hergestellt. Kombiniert mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung und unserer Maschinentechnologie können so Anforderungen von Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen individuell erfüllt werden. So wurden, z.B. bei einer gemeinsamen Entwicklungsarbeit mit einem Sportunternehmen, für ein neues „Fell“ für Skitourengeher acht Werkstoffe miteinander kombiniert und verbunden. Zahlreiche Tests und Prüfungen belegten u.a. auch die Haltbarkeit. Inzwischen wurden die ersten Serien produziert und am Markt erfolgreich verkauft. Bei diesem Beispiel handelt es sich zwar nicht um eine Dichtung, es zeigt aber, was heute geht und welche Ansätze ggf. auch zu transferieren sind.

Richard Gisler, Geschäftsführer, Tec-Joint AG
„Branchenspezifische Normen und Regelungen sind immer eine Herausforderung, aber keine unüberwindbare Hürde, wie z.B. eine Elastomermischung, die die Trinkwassernorm erfüllt, zeigt.“ Richard Gisler, Geschäftsführer, Tec-Joint AG