Der richtige Werkstoff  für eine Dichtung

O-Ringe, teilweise beschichtet mit Funktions- und Farbbeschichtung (Bild: seals’n’finishing)

16.09.2019 Der richtige Werkstoff für eine Dichtung

Trends und Entwicklungen im Überblick

von Dipl.-Wirt. Ing. (FH) Simone Frick (seals'n'finishing - Simone Frick)

Die Antwort auf diese Frage ist angesichts der Vielzahl von Rohstoffen, Compounds und anwendungsspezifischen Rahmenbedingungen nicht einfach zu beantworten und erfordert viel Know-how auf verschiedenen Ebenen. Experten geben Impulse, worauf zu achten ist und wohin die Reise geht. 

Die Anforderungen an Dichtungen steigen unbestritten stetig an. Elastomerwerkstoffe sollen zunehmend auch bei extremeren Einsatzbedingungen genutzt werden können. Daher werden neue Werkstoffformulierungen, z.B. für sehr hohe Temperaturen oder extreme Kälte, entwickelt. Selbst im Bereich herkömmlicher Anwendungen tauchen immer wieder Anforderungen auf, denen es mit neuen Mischungen zu begegnen gilt. Jedoch längst nicht alle Ansprüche können allein über neue Werkstoffmischungen erfüllt werden. Der Aufwand für die Entwicklung neuer Mischungen muss sich einerseits rechnen. Andererseits gibt es Anforderungen an die Funktionalität von Dichtungen, die sich auch mit den besten Werkstoffmischungen nicht oder nur auf Kosten mancher Werkstoffmerkmale erfüllen lassen. So lässt sich z.B. Reibungsreduzierung durchaus mit speziellen, entsprechend wirksamen Werkstoffzusätzen erreichen. Jedoch verschlechtern solche Zusätze häufig die mechanischen Eigenschaften der fertigen Dichtungen. Eine nachträglich aufgebrachte Beschichtung, wohlweislich ausgewählt, macht hier oft mehr Sinn.

Es sind also nicht allein die neuen Werkstoffmischungen, die moderne Aufgabenstellungen in der Dichtungstechnik lösen. Auch die Veredelung der Dichtungen, sei es zur Reibungsreduzierung, Montageerleichterung, Kennzeichnung, zur farbigen Unterscheidung oder zur Erfüllung von Sauberkeitsanforderungen, spielt eine zunehmend große Rolle. Die Auswahl der richtigen technischen Veredelung einer Dichtung ist dabei ebenso anspruchsvoll wie die Auslegung der Dichtung oder eines Werkstoffes selbst. Hier ist umfangreiches Know-how bei der Auswahl technisch und ökonomisch sinnvoller Lösungen für Projekte und die Optimierung eines Produktportfolios nötig. Dies kann heute als Beratungsleistung eingekauft werden oder intern über die Schulung der Mitarbeiter in Inhouse-Seminaren aufgebaut werden. Wichtige Themen sind u.a. die Dichtungsveredelung, technische Sauberkeit und LABS-Freiheit von Dichtungen – auf der Basis aktueller Regelungen und Normen wie dem Einheitsblatt VDMA 24364 zur Prüfung der LABS-Konformität von Bauteilen und zur Partikelsauberkeit von Dichtungen nach VDA 19-1 und ISO 16232.

Simone Frick, Inhaberin, seals’n’finishing
„Die wachsenden hohen Ansprüche an die technische Sauberkeit von Dichtungen lassen sich ohne zusätzliche Reinigungsprozesse oder speziell auf Sauberkeit ausgerichtete Produktionsprozesse nicht bewältigen.“ Simone Frick, Inhaberin, seals’n’finishing