Viel Potenzial

KLINGER KGS Gummi-Stahl-Dichtung aus NBR für den Einsatz in der Gasversorgung (links) Und KLINGER CompenSIL eine "fehlerverzeihende" Dichtung (rechts) (Bild: Klinger GmbH )

19.09.2016 Viel Potenzial

Trends bei Dichtungswerkstoffen und -compounds – ein Überblick

von Norbert Weimer (Klinger GmbH)

Viele der steigenden Anforderungen an Dichtungen – seien sie markt- oder normengetrieben – werden heute über weiterentwickelte Werkstoffe und Compounds erfüllt. Hier gibt es noch viel Potenzial, wie die  nachfolgenden Beispiele zeigen. Das darf allerdings nicht den Blick auf die Grenzen der Physik und Chemie verstellen, die auch für Werkstoffe und Compounds gelten.

Der Markt für Dichtungswerkstoffe ist extrem umfangreich. Mit Blick auf statische Dichtungen lässt sich feststellen, dass die Materialien, die als Flachdichtungen im Einsatz sind, bei Standardanwendungen nicht schnell durch Trends abgelöst werden. Dafür ist das Risiko für den Betreiber, eine funktionierende Dichtungslösung aufzugeben, viel zu groß. Gerade wenn man bedenkt, was eine Flachdichtung kostet und welche Kosten bei einer Fehlfunktion zu erwarten sind. Hier ist also der Name „statische Dichtung“ nicht nur die Beschreibung der Funktion, sondern auch eine Beschreibung des Marktverhaltens – und dies mit Sinn und Verstand.

Ungeachtet dessen gibt es Trends, die durch äußere Einflüsse angeregt werden. Da wäre der Trend zu hoher Dichtheit schon bei geringen Pressungen. Bei FA-Dichtungswerkstoffen führt dieser dazu, den Kompromiss zwischen Druckstandfestigkeit und Anpassungsfähigkeit in die Richtung weicherer Dichtungsmaterialien zu verschieben. Damit kommt man dem Bedürfnis nach geringeren Schraubenkräften am Flansch nach. Die Wahrscheinlichkeit, ob aber  auch genügend Kraft vorhanden ist, Rohrkräfte, die aus den verschiedensten Gründen, wie thermischen Spannungen, Gewichtskräften, Fließkräften und sonstigen dynamischen Einflüssen, entstehen, von der Dichtung fernzuhalten, wird immer geringer, je mehr die Auslegung in diese Richtung geht. Wenn also weichere Dichtungsmaterialien eingesetzt werden – wir bieten hier Werkstoffe mit Korkanteil, aber auch mit höheren Elastomeranteilen an (KLINGERSIL C 4265 und – ganz neu – KLINGER CompenSil, mit der Möglichkeit Dichtflächenfehler auszugleichen) – so muss dies immer mit Augenmaß, an den konstruktiven Rahmenbedingungen orientiert, umgesetzt werden. Eine große Hilfe ist in einem solchen Fall unser Dichtungsberechnungsprogramm, welches in der Version 6.x weitere Informationen liefert. Denn das Verhalten der Dichtung selbst kann die Berechnungsnorm DIN EN 1591-1 nicht so gut darstellen. Hier bietet die  Gegenprüfung der mit der Normberechnung ermittelten Situation durch das KLINGERexpert-Programm eine weitaus bessere Einschätzung der Dichtungssituation.

Auch Normen stellen immer wieder neue Anforderungen an Dichtungswerkstoffe. So ist, z.B. für die Gasversorgung, die DIN 30690-1 neu erschienen. Hier sind die Anforderungen an Dichtungsmaterialien gestiegen, sodass sich für den Druckbereich von 10 bar bis 40 bar Betriebsdruck verschiedene Lösungsansätze verfolgen lassen. Die Verwendung von Kraftnebenschlussdichtungen wäre ein Weg, ein anderer die Verwendung von qualitativ hochwertigen Gummi-Stahl-Dichtungen. Nur durch konsequente Verwendung moderner Compounds in Verbindung mit einer sicheren nachvollziehbaren Fertigungsqualität ist es möglich, den Anforderungen der neuen Norm zu entsprechen, denn es werden in dem höheren Druckbereich nur Gummi-Stahl-Dichtungen zugelassen, für die Nachweise zum Kriechverhalten, zur Maximal- und Mindestflächenpressung, zum Alterungsverhalten und zur Ausblassicherheit gegeben sind. Hier bieten wir  kundenorientiert beide Wege an, sodass sich unterschiedliche konstruktive Philosophien umsetzen lassen.

Norbert Weimer, Unternehmensleitung, KLINGER GmbH
„Natürlich müssen Trends und Einflüsse im Markt beachtet werden. Es sollte aber jedem klar sein, dass sich in unserer technischen Welt die Physik selbst nicht ändert – und somit lassen sich Anforderungen auch nicht beliebig steigern.“ Norbert Weimer, Unternehmensleitung, KLINGER GmbH