Kernkompetenz neu definiert

Material und Dosiertechnik aus einer Hand (Bild: CeraCon GmbH)

14.03.2016 Kernkompetenz neu definiert

Maschine und Material aus einer Hand erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit – auch in der Nische

von Roland Borst (CeraCon GmbH), Dr. Frank Kukla (CeraCon GmbH), Andreas S. Kreissl (CeraCon GmbH)

Unternehmen beschäftigen sich regelmäßig mit der Frage nach Ihren Kernkompetenzen. Oft wird in diesem Zusammenhang fokussiert. Im Falle der CeraCon GmbH, die bisher ihren Fokus auf dem Maschinenbau hatte, wurde sie im letzten Jahr erweitert. Über die Hintergründe unterhielt sich DICHT! mit Roland Borst, Produktmanagement Polymere, Andreas S. Kreissl, Geschäftsführender Gesellschafter Vertrieb und Dr. Frank Kukla, Geschäftsführender Gesellschafter Sealing Systems.

Ihr Unternehmen ist als Maschinenbauer in den Werkstoffbereich eingestiegen. Wie kam es dazu?
Roland Borst: Seit 2002 haben wir sehr erfolgreich mit einem japanischen Partner zusammengearbeitet. Unser größtes Abnehmersegment, die Automobil-Industrie, ist ein sehr dynamischer Zweig, in dem sich Anforderungen immer weiterentwickeln. Hier mussten wir in den letzten Jahren feststellen, dass wir durch diese Aufgabenteilung – wir die Maschine und der Partner das Material – der hohen Erwartungshaltung der Kunden nicht mehr gut genug entsprechen konnten. Wir mussten erkennen, dass unsere Kunden möglichst „alles aus einer Hand“ wollen – einfach, um Schnittstellen zu vermeiden. Daher haben wir uns entschlossen, die Gesamtsystemverantwortung zu übernehmen. Die Entwicklung eines eigenen PUR-Schaummaterials war dann der notwendige und logische Schritt.

Bedeutet das ein Ende der bisherigen Partnerschaft?
Roland Borst: Nein, nicht zwingend, wir sind noch in Gesprächen, wie wir die Zusammenarbeit in Zukunft gestalten können.

Welche Voraussetzungen mussten Sie für diese Ausweitung Ihrer Kernkompetenzen schaffen?
Dr. Frank Kukla: Uns war relativ rasch klar, dass wir beides – die Entwicklung eines Polyurethanschaums und gleichzeitig den Aufbau einer wettbewerbsfähigen Materialproduktion – nicht schaffen können. Daher entschlossen wir uns, die Entwicklung selbst vorzunehmen und die Produktion an einen geeigneten Partner zu geben. Für die Entwicklung haben wir schließlich einen weiteren, sehr engagierten Chemiker eingestellt und ihm diese Aufgabe übertragen. Durch unser mehr als zwanzigjähriges Anwendungs-Know-how kennen wir die Anforderungen unserer Kunden an Dichtungen sehr genau und so war das Ziel für die  Materialentwicklung präzise definiert. In der Kombination mit unserer Anwendungstechnik konnte so die Abstimmung mit der Applikationstechnik Schritt für Schritt erfolgen. Trotzdem dauerte diese Phase von der Idee zur Marktreife mehr als zwei Jahre. Für ein Unternehmen unserer Größe eine beachtliche Vorleistung.

Roland Borst, Produktmanagement Polymere, CeraCon GmbH
„Wir können heute wirtschaftlichere Gesamtlösungen bieten – und das stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit.“ Roland Borst, Produktmanagement Polymere, CeraCon GmbH
Dr. Frank Kukla, Geschäftsführender Gesellschafter Sealing Systems, CeraCon GmbH
„Mit unserer neuen Ausrichtung können wir die „Time-to-Market“ verkürzen. In den dynamischen Wirtschaftszweigen, in denen wir uns bewegen, ist das ein absolutes Muss.“ Dr. Frank Kukla, Geschäftsführender Gesellschafter Sealing Systems, CeraCon GmbH
Andreas S. Kreissl, Geschäftsführender Gesellschafter Vertrieb, CeraCon GmbH
„Auch mit der Ausweitung unserer Kernkompetenzen bewegen wir uns weiter in der Nische von 1K-High-End-PUR-Anwendungen – nur eben effektiver." Andreas S. Kreissl, Geschäftsführender Gesellschafter Vertrieb, CeraCon GmbH