Kunststoffoberflächen gezielt modifizieren und neue Materialverbunde ermöglichen

Mit Openair-Plasma können Kunststoffoberflächen gezielt behandelt und die Eigenschaften der Oberflächen verändert werden (Bild: Plasmatreat GmbH)

19.08.2021 Kunststoffoberflächen gezielt modifizieren und neue Materialverbunde ermöglichen

Auf der Fakuma 2021 präsentiert die Plasmatreat GmbH ihre Systeme und Lösungen zur Oberflächenbehandlung mit Atmosphärendruckplasma.

Bei der Behandlung mit Openair-Plasma werden sauerstoff- und stickstoffhaltige Gruppierungen in die meist unpolaren Kunststoffe zur Erhöhung der Oberflächenenergie eingebracht. Diese Aktivierung optimiert die Benetzbarkeit der Oberfläche, bewirkt damit eine signifikante Steigerung der Adhäsionsfähigkeit und ermöglicht auf diese Weise eine langzeitstabile Haftfestigkeit von Klebstoffen, Farben und Lacken. Mithilfe der speziellen PlasmaPlus-Technologie können Nanobeschichtungen auf Oberflächen aufgebracht werden. Ein Beispiel für dieses Verfahren ist die PT-Bond-Beschichtung des Unternehmens, die für langzeitstabile Haftung von Dichtsystemen sorgt. PT-Bond ist eine PlasmaPlus-Anwendung speziell für den Bereich Klebe- und Dichtungstechnik. Dem Plasma wird eine Organo-Siliziumverbindung als Präkursor beigemischt. Die chemische Zusammensetzung variiert dabei je nach Material und Anwendung. Die PT-Bond Schicht ist bi-funktional, d.h. sie gewährleistet die haftvermittelnde Funktion sowohl zum Substrat als auch
zum Klebstoff.

Auf seinem Messestand zeigt das Unternehmen verschiedene Plasma-Systeme und Anlagen. Besucher können also auf der Messe Oberflächenbehandlungen mit Plasma live erleben. Das Unternehmen präsentiert z.B. sein In-Mould-Plasma-Verfahren für Spritzgießmaschinen in der Kunststoffindustrie. Dieses spezielle Verfahren basiert auf der klassischen Atmosphärendruck-Plasmatechnologie, verlegt die Aktivierung des Behandlungsbereichs direkt in das Spritzgießwerkzeug und ist integrierter Teil des Mehrkomponentenspritzgießens. Hierdurch lässt sich der Fertigungsprozess vereinfachen und kosteneffizient gestalten. Das In-Mould-Plasma-Verfahren eignet sich, um aus inkompatiblen Hart-Weich-Materialkombinationen industrierelevante, kompatible Kunststoff-Verbunde im 2K-Spritzgießen herzustellen. Vorrangig sind dabei Kombinationen auf Basis von TPU und PP zu nennen, jedoch lässt sich eine Vielzahl weiterer Materialkombinationen damit verbinden oder die Haftfestigkeit signifikant steigern.

Besucher können außerdem eine Plasma Treatment Unit (PTU) mit besonderem Bauteiltransport sehen. In dieser Anlage werden nicht, wie so oft, die Düsen bewegt, sondern die verschiedenen Bauteile werden mit 3 XPlanar Movern der Firma Beckhoff Automation zur richtigen Zeit und zur richtigen Düse zur Behandlung mit Openair-Plasma transportiert. In Friedrichshafen werden in dieser PTU ein In-Mould-Kunststoffteil und ein Bauteil mit Elektronik behandelt. Auf ein drittes Bauteil wird mit dem speziellen PlasmaPlus-Verfahren AntiCorr eine Antikorrosionsschicht aufgebracht.

Fakuma: Halle 1, Stand 1423