Oft unterschätzt

(Bild: fotolila_nayladen)

31.03.2018 Oft unterschätzt

Das vielseitigste Dichtelement aller Zeiten – der O-Ring

von Dipl.-Ing. (FH) Ulrich Blobner (O-Ring Prüflabor Richter GmbH), Dipl.-Ing. Bernhard Richter (O-Ring Prüflabor Richter GmbH)

Der O-Ring ist eine Standard-Dichtung, über die man nicht viele Worte verlieren muss – auf diese falsche Einschätzung trifft man in der Praxis leider immer wieder. Sie ist insofern falsch, da auch O-Ringe allen aktuellen Trends in der Dichtungstechnik unterliegen. Und sie stellen sich den Herausforderungen – von den eingesetzten Werkstoffen über Produktion und Veredlung bis hin zur Beschaffung und Montage.

O-Ringe werden heute in Milliardenstückzahlen überwiegend in statischen Anwendungen als Dichtung eingesetzt, da sie viele Vorteile haben. Sie zeigen auch bei geringen Flächenpressungen – ausreichende Verformung vorausgesetzt – ein gutes Dichtverhalten, welches sich auch über sehr lange Einsatzzeiten hinweg trotz erheblicher Spannungsrelaxation bzw. Alterung des Werkstoffes nicht verschlechtert. Je nach Schnurstärke können Spalte bis zu ca. 0,5 mm und mehr mit O-Ringen überbrückt werden. Je nach Elastomertyp lassen sich O-Ringe von -70 °C bis ca. +300 °C einsetzen. Mit ihnen können sowohl Ultrahochvakuum- (10⁻8 Torr) bis Hochdruckanwendungen (400 bar, Sonderfälle 2.000 bar) abgedichtet werden. Neben dem guten Montageverhalten und der einfachen Auslegung sind seine weltweite Verfügbarkeit und sein niedriger Preis weitere Vorteile, die den O-Ring zur häufigsten und vielleicht auch – nicht nur bei Einkäufern – beliebtesten Abdichtungsart aller Zeiten werden ließen. Und schließlich ist die Tatsache, dass vielen Anwendern gar nicht bewusst ist, wie oft sie sich tagtäglich auf die einwandfreie Funktion von O-Ringen verlassen, eigentlich das allerbeste Argument für die Zuverlässigkeit der heute eingesetzten O-Ringe.