Haftung als Sicherheitsfaktor

Unpolare Kunststoffoberfläche, die in Abhängigkeit von Abstand und Geschwindigkeit mit Plasma vorbehandelt wurde. Die Oberfläche wird nach der Behandlung polar und die Oberflächen- energie steigt auf >72mJ/m² bei großem Prozessfenster (Bild: Plasmatreat GmbH)

30.10.2019 Haftung als Sicherheitsfaktor

Atmosphärendruckplasma für sicherheitsrelevante Klebund Dichtungsprozesse in der Industrie

von Inès A. Melamies (Blue Rondo International e.K.), Joachim Schüßler (Plasmatreat GmbH)

Alle Kleb- und Dichtungsprozesse sollen gute Haftungsergebnisse bringen. Doch die Ansprüche der Hersteller an die Adhäsionseigenschaften einer Materialoberfläche sind je nach Verwendungszweck des fertigen Produkts unterschiedlich. Ist Haftung nicht mehr allein funktionsrelevant, sondern auch eine Frage der Sicherheit des Produkts, bietet eine Vorbehandlung des Materials mit Atmosphärendruckplasma häufig die einzige Möglichkeit für die Erfüllung dieses hohen Anspruchs.

Löst sich irgendwann die teure Lederverkleidung im Pkw, die Kante der Arbeitsplatte oder die Sohle eines teuren Schuhs, so ist ein solcher Haftungsverlust der Klebverbindung ärgerlich für den Verbraucher und vielleicht noch imageschädigend für den Hersteller – aber er bedroht nicht die Sicherheit des Konsumenten. Fällt in einem Fahrzeug wegen eines undichten Schutzgehäuses das Aggregat für die Lenkradsteuerung aus oder in einem Flugzeug wegen eindringender Feuchte in die elektronische Baugruppe der Sprechfunk, halten strukturelle Verklebungen von Lkw-Aufbauten oder gar die Isolierung eines Gastankers nicht, wäre ein Haftungsversagen der Klebverbindungen dagegen fatal. Da aufgrund gestiegener Anforderungen sowohl die Materialien wie auch die Ansprüche an deren Haftungseigenschaften immer größer werden, wächst zwangsläufig die Bedeutung der richtigen Vorbehandlung von Kleb- und Dichtungsstellen.