Die „Human-Diagnose“ ist  bei Dichtungen absehbar unverzichtbar

Radialwellendichtring – Laufspur auf der Welle durch Verschmutzung mit harten Partikeln (Bild: Helmut Winkler)

09.03.2020 Die „Human-Diagnose“ ist bei Dichtungen absehbar unverzichtbar

Bei Industrie 4.0 werden aus Dichtungen A-Teile, das Wissen der Instandhalter bleibt aber der zentrale Faktor

von Dipl.-Ing. Helmut Winkler (TMM)

Immer dann, wenn Hydraulikzylinder oder Wälzlager vorschnell versagen, kann ein Dichtungsversagen die Ursache sein. Ungeplante Maschinenstillstände sind teuer und verursachen Stress und Hektik. Mit einer vorausschauenden Instandhaltungsstrategie kann das Schreckgespenst „Dichtungsschaden“ leicht gebannt werden – wenn den Instandhaltern die Ansätze bewusst wären.

Für das Versagen von Dichtungen kann es viele Gründe geben. Ein Instandhalter sollte deshalb verschiedene Aspekte bei der Fehlerortung berücksichtigen. Die folgenden zehn Dichtungsschäden sollte jeder kennen:

  • mechanische Schäden an der Dichtfläche (Kratzer, Korrosionsstellen oder andere Schäden)
  • Alterung des Dichtungswerkstoffs
  • Spaltextrusion bei O-Ringen
  • Mangelschmierung, schlechte Schmierstoffversorgung
  • Verschleiß der Gegenlauffläche
  • Wechselwirkung mit Schmieröl oder -fett
  • „Dieseleffekt“ – plötzliche Druckstöße im Hydrauliksystem
  • Dekompression
  • Montagefehler
  • falsche Dichtungsabmessungen oder im Ersatzteillager vorgeschädigte Dichtungen

Ein weiteres zentrales Dichtungsthema ist Werkstoff-Know-how. Nicht jede schwarze Dichtung ist aus NBR und nicht jede weiße aus PTFE. Eine NBR-Dichtung ist nicht gleich eine NBR-Dichtung und das gilt für alle anderen Dichtungswerkstoffe. Wer also Dichtungsschäden vermeiden möchte, darf sich in puncto Werkstoff nicht mit dem kleinsten Nenner zufriedengeben.

Neben dem Werkstoff hat auch das Herstellverfahren einen großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit einer Dichtung. Für die Dichtungsfertigung mit unterschiedlichen Maschinen und/oder Verfahren müssen Informationen eingeholt werden. Spezifische anwendungsbezogene Dichtungskennwerte helfen hier weiter. Diese Kenndaten müssen mit dem Dichtungslieferanten abgestimmt und bei der Anlieferung auch überprüft werden.