„Spezialisten auf Lebenszeit sind selten“

Prüfen und Testen

19.09.2016 „Spezialisten auf Lebenszeit sind selten“

Ein Blick auf die Dichtungstechnik aus der Warte moderner Prüflabore

von Dipl.-Ing. Bernhard Richter (O-Ring Prüflabor Richter GmbH)

Alle Trends und Entwicklungen im Dichtungs- und Polymerbereich schlagen letztendlich auch auf ihre Messung und Prüfung durch. „Das macht es spannend, aber nicht einfacher“ meint Bernhard Richter, Inhaber des O-Ring-Prüflabor Richter, mit Blick auf die Anforderungen an sein Prüflabor anlässlich des 20-jährigen Bestehens.

Welche Trends haben derzeit großen Einfluss auf das Messen und Prüfen von Dichtungen?
Richter: Da wären zunächst der wachsende Preisdruck und die zunehmende Globalisierung der Dichtungsbeschaffung. Beides wirkt eng zusammen. Wir sehen dies an der Zunahme der Fertigteilprüfungen durch eine preisorientierte Dichtungsproduktion – die seit Jahren immer mehr ins Ausland verlagert wird. Dadurch gewinnen verschiedene Faktoren an Bedeutung. So z.B. die Vulkanisationsbedingungen – die Vulkanisationszeit ist ein stark preisbestimmender Faktor und so ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass die Tendenz – auch untervernetzte Dichtungen zu erhalten – zugenommen hat. Bei den globalen Zulieferketten und Produktionsstandorten bzw. deren häufiger Verlagerung muss auch immer öfter die Werkstoffkonstanz überprüft werden.

Welche Verfahren kommen hier zum Einsatz?
Richter: Natürlich sind zunächst die einfachen Prüfungen wie Härte, Dichte und Druckverformungsrest gefragt. Grundsätzlich haben aber analytische Prüfungen, wie die TGA (Thermogravimetrie) und IR (Infrarotspektroskopie), an Bedeutung gewonnen. Seit ca. einem Jahr setzen wir auch die Pyrolyse GC-MS-Analyse (Gaschromatografie-Massenspektrometrie) ein.

Ist das nicht sehr aufwändig?
Richter: Ja und früher waren solche Prüfmethoden nur Universitäten oder großen Konzernlaboren vorbehalten. Aber in den letzten beiden Jahrzehnten sind entsprechende Analysegeräte immer bezahlbarer und effektiver geworden.