Prüfstandkonzept für optimierte Dichtungen

Der Prüfstand (Bild: Herbert Hänchen GmbH & Co. KG)

31.10.2017 Prüfstandkonzept für optimierte Dichtungen

Von Konzept zum Produkt

von Dipl.-Ing. Klaus Wagner (Herbert Hänchen GmbH & Co. KG)

Eine vollständige Abdichtung muss immer als System konzipiert und geprüft werden. Dies ist eine der Grundlagen, mit der man bei der Konstruktion von Hydraulik-Zylindern immer neue Wege geht. Dabei haben die Entwickler nicht nur die einzelnen Komponenten im Blick, sondern suchen gemeinsam mit dem Anwender  passende Lösungen. So entstand auch ein Dichtungsprüfstand zur  Entwicklung optimaler Dichtungskombinationen, der inzwischen zu einem eigenen Produkt wurde.

Um durch systematische Versuche und Tests optimale Dichtungskombinationen für Hydraulikzylinder zu entwickeln, ist es heute entscheidend Produkte unterschiedlicher Dichtungshersteller mit eigenen zu kombinieren und auch mit universitären Forschungseinrichtungen zusammenzuarbeiten. Im Rahmen einer immer vernetzteren Zusammenarbeit bei der Projektierung und Umsetzung von hybriden Antriebssystemen und Teilsystemen, war es irgendwann naheliegend, den Prüfstand selbst zu entwickeln.

In der Praxis angekommen

Dieser Prüfstand (Bild 1), der 2015 erstmals vorgestellt wurde, arbeitet bis zu einem Druck von 600 bar. Die Prüfkammern wurden als Maschinenelemente eigenentwickelt und gefertigt und sind problemlos mit anderen hauseigenen Bauteilen kombinierbar. Damit steht dem schnellen und unkomplizierten Einbau der Prüflinge nichts im Weg. Ein Kühlsystem sorgt für die Möglichkeit, den Betrieb im Dauerlauf aufrecht zu halten. Inzwischen hat das System die Erprobungsphase abgeschlossen. Kernelement sind vier hydraulisch betriebene Prüfachsen, die jeweils zwei Prüfkammern mit definierten Dichtungskombinationen testen. Alle vier Achsen lassen sich mit unterschiedlichen Prüflingstypen und Parametern betreiben. Der Hub der Anlage ist bis 1.000 mm frei wählbar. Geschwindigkeiten bis zu 4 m/s sind möglich. Beim autarken Parallelbetrieb aller 4 Stangen kann bis zu 1 m/s gefahren werden, die Frequenz kann bis zu 5 Hz betragen.

Auf dem Dichtungsprüfstand sind auch Prüfungen gemäß VDMA 24577 zur Bestimmung der Reibkraft möglich. Der Druck in der Prüfkammer ist während der Bewegung regelbar, sodass sich auch komplexe realitätsnahe Verhältnisse abbilden lassen. Das Bewegungsprofil ist für sinusförmige oder konstante Geschwindigkeiten ausgelegt. Dabei ist die Beschleunigungsphase ebenfalls parametrierbar. Als Prüflinge lassen sich beliebige Stangen mit beliebigen Dichtungskombinationen anbauen und mit den verschiedensten Fluiden testen, wie z.B. Skydrol® oder wasserbasierten Medien.