Neue Perspektiven intelligent nutzen

Ist die isolierende Dichtlippe abgenutzt, schließt sich der Stromkreis und der Wartungsbedarf wird gemeldet (Bild: Freudenberg Sealing Technologies GMBH & CO. KG)

31.03.2018 Neue Perspektiven intelligent nutzen

Chancen für die Dichtungstechnik durch Industrie 4.0

von Dr. Boris Traber (Freudenberg Sealing Technologies GmbH & Co. KG), Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kramer (Freudenberg Sealing Technologies GmbH & Co. KG)

Was bedeutet Industrie 4.0 für die Dichtungstechnik? Ist es wirklich nur die Integration von Leckagesensoren in die Dichtung? Wohl kaum. Denn für eine einfache Leckagesensorik wird keine Datenverknüpfung in einer Cloud benötigt, was wiederum eines der wesentlichsten Elemente von Industrie 4.0 ist.

Natürlich bietet eine sich selbstüberwachenden Dichtung bereits großes Potenzial: Das System meldet nicht erst dann den Ausfall einer Dichtung, wenn er passiert ist. Sondern es meldet, dass die Dichtung innerhalb eines definierten Zeitraums ausfallen wird, z.B. in einem, drei oder fünf Monaten. Mit solchen Möglichkeiten, diese Vorhersage auf Dichtungen zu übertragen, beschäftigen sich Experten bei Freudenberg Sealing Technologies bereits seit einiger Zeit in Machbarkeitsstudien und ersten Prüfläufen.

Doch der Ausfall einer Dichtung ist sehr stark von den Betriebszuständen des Systems abhängig. Diese sind von Anlage zu Anlage unterschiedlich – je nach Anwendung und Produkten, die auf ihnen hergestellt werden. Und genau hier setzt Industrie 4.0 an: Mittels Verknüpfung von Betriebspunkten, Laufzeiten, Stillstandzeiten, Medien, Temperaturmessungen etc. können diese Daten so miteinander interagieren, dass die Vorhersage des Ausfalls systemabhängig werden kann. Umgekehrt könnten bestimmte Veränderungen der Dichtung wie Abrieb oder Setzverhalten wieder zurück in das System gespielt werden, um somit entsprechende Anpassungen zu generieren und das System weiter zu optimieren. Damit würde aus einer einfachen Dichtung, einer sogenannten „C-Komponente“, eine „sprechende Komponente“ einer Anlage werden. Mehr noch: Die Idee von „Big Data“ bedeutet die Erfassung und Korrelation von Daten eines Systems mit der Möglichkeit moderner Datenanalyse, um daraus Aussagen und Korrelationen abzuleiten, die man bislang noch nicht entdeckt hat. So können z.B. Ausfallmechanismen und schädigende Einflüsse auf ein Dichtelement in einer laufenden Anlage besser verstanden werden. Es würde die langwierige Erprobung von verbesserten Dichtungen deutlich verkürzen, wenn Fehlermechanismen noch besser bekannt sind.

Die Interpretation der Daten muss also immer im Kontext des Gesamtsystems und auch im Hinblick auf die Interaktion der einzelnen Komponenten untereinander betrachtet werden. Dabei ist ein weiterer Aspekt interessant: Die Daten intelligenter Dichtungen führen eigentlich zwangsläufig zu einem größeren Wissen über Dichtungen. Wird dies richtig genutzt, entstehen bessere Dichtungen und damit bessere Dichtsysteme. Die Dichtung wird endgültig zu einer Schlüsselkomponente.