Komplexe Dichtungen ohne Größenlimitierung

Die Überwachung der Extrusionsgeschwindigkeit ist eine Voraus­setzung für konstante Qualität (Bild: Beichler + Grünenwald GmbH)

10.09.2020 Komplexe Dichtungen ohne Größenlimitierung

Multifunktionsdichtungen aus PTFE in Endlos-Ausführung durch horizontale Ram-Extrusion

von Roland Huber (Beichler + Grünenwald GmbH), Uwe Friedland (Beichler + Grünenwald GmbH)

Die Integration von Funktionalität in Bauteile ermöglicht die Reduzierung der Gesamtzahl an Komponenten. Dies ist die wichtigste Steuergröße zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit von Systemlösungen. Dabei eröffnet die Verarbeitung von Compounds auf Basis von PTFE und modifiziertem PTFE mithilfe der horizontalen Ram-Extrusion neue Potenziale.

Insbesondere bei großen Bauteilen, wie sie nicht nur im klassischen Maschinenbau, sondern bevorzugt im Schiffsbau, der Offshore-Ölförderung, der Wasserversorgung oder beim Bau von Windrädern vorkommen, ist die Einzelteilfertigung oft nicht möglich und die eigentliche Funktion kann nur durch Zusammenfügen von Einzelkomponenten erzielt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Abdichtung von Einzelmodulen in der Raumfahrttechnik, wo in Raumstationen Durchmesser von bis zu mehreren Metern sicher abgedichtet werden müssen und dies nur durch komplexes Ineinanderfügen von einzelnen Dichtungssegmenten möglich ist.

Vorteile der Ram-Extrusion

PTFE oder modifiziertes PTFE können wegen ihrer hohen Schmelzviskosität nicht nach den klassischen Methoden der Thermoplastverarbeitung, Spritzguss oder Extrusion, verarbeitet werden. Stattdessen erfolgt die Verarbeitung mittels Pressen und Sintern, einer Vorgehensweise, die der Keramik-Verarbeitung entliehen wurde. Bei der Ram-Extrusion werden beide Verfahrensschritte (Pressen und Sintern) in einem Arbeitsschritt zusammengefasst. Dies ist zwar nur bei geeigneten Profilen, z.B. Stäben, Schläuchen, Rohren oder auch Kant-Profilen möglich, erlaubt aber eine Endlosfertigung.