Die Krise ganz einfach nutzen

(Bild: ISGATEC GmbH)

28.11.2019 Die Krise ganz einfach nutzen

von Karl-Friedrich Berger (ISGATEC GmbH)

Krisen gehören zum Wirtschaftsleben und sollten nicht immer nur einseitig unter aktuellen wirtschaftlichen Aspekten betrachtet werden.

Die Auswirkungen mögen für die betroffenen Unternehmen hart sein, bieten aber auch mal Zeit zum Durchatmen und zum „Disruptive Thinking“. Für Unternehmen im Bereich Dichten. Kleben. Polymer. fällt die sich abschwächende Wirtschaft mit dem Umbruch in der Automobilindustrie, zunehmender Automatisierung, Industrie 4.0, Digitalisierung, „neuen“ Fertigungsverfahren wie 3D-Druck etc. zusammen. Damit entstehen für die Unternehmen auch wieder Entwicklungsmöglichkeiten ungeahnten Ausmaßes, die genutzt werden können. Eine Basis dafür ist das Wissen der Mitarbeiter und Kollegen in Konstruktion, Einkauf, Qualitätssicherung, Unternehmensführung, Instandhaltung, Produktion etc. Denn aus diesem Wissen entstehen innovative Lösungen und Wettbewerbsvorteile für heute und morgen.
Wo stehen wir aktuell? Klar, die Geschäfte laufen derzeit schlechter als die letzten Jahre und Schlüsselbranchen sind im Umbruch. Wir leben in vielen Bereichen in einer technischen Übergangszeit. Diese aus Unternehmenssicht zu gestalten, bedeutet Trends zu erkennen, die geeigneten Entwicklungspfade zu beschreiten und die Mitarbeiter mitzunehmen. Das geht u.U. mit neuen Denkweisen einher, basiert aber immer auf einem möglichst umfassenden Wissen. Ein Beispiel ist die Additive Fertigung. Diese Technologie mit der klassischen Denk- und Projektvorgehensweise der Kunststofftechnik zu betrachten,  mag zwar pragmatisch gedacht sein, ist aber nicht zielführend. Nur wer die Freiheitsgrade dieser Technologie kennt und lösungsorientiert anwenden kann, wird mit dieser Verarbeitungstechnik Neues und Rationalisierungspotenziale und damit letztendlich Wettbewerbsvorteile schaffen. Gerade in dynamischen Märkten ist das Wissen der Mitarbeiter auf dem aktuellen Stand der Technik und mit dem Blick für neue Perspektiven ein Schlüssel des Unternehmenserfolgs in und nach der Krise. Das Wissensmanagement eines Unternehmens schafft dabei den Raum für neues Wissen, für den Austausch unter Kollegen und die Möglichkeit, ausgetretene Pfade zu verlassen.
Wo ist Potenzial? Zum Beispiel bei Anwendungen im Bereich Dichten. Kleben. Polymer. Dies zeigen u.a. Marktbefragungen der ISGATEC GmbH aus den letzten zwölf Monaten zu verschiedenen Themen. So stimmten 63% der Umfrageteilnehmer der Aussage zu, dass die gewählte Dichtungs- und Kleblösung häufig einen großen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Produktes hat. 71% der Umfrageteilnehmer gaben an anderer Stelle an, dass das vorhandene Wissen im Bereich der Dichtungs-, Kleb-, Polymertechnik nur punktuell personalisiert vorhanden ist. Für 54 % der Teilnehmer ist es teilweise nur schwer oder gar nicht möglich, in Erfahrung zu bringen, welche Regelwerke zu beachten sind und 45 % geben an, dass der „Stand der Technik“ nicht ausreichend bekannt ist und dass das immer wieder dazu führt, dass z.B. „falsche“ Dichtungen eingesetzt werden. Hier ist also noch viel Potenzial, aus Wissensvorsprung leistungsfähige Produkte, Kundenzufriedenheit und damit eine bessere Wettbewerbsfähigkeit zu generieren.
Wie entsteht Wissensvorsprung? Er entsteht im richtigen Raum und Rahmen, den das Wissensmanagementkonzept eines Unternehmens definiert. Auf dieser Basis lassen sich dann auch die vielfältigen Aus- und Weiterbildungsprogramme unternehmensspezifisch bewerten. Der Bereich Dichten. Kleben. Polymer. stellt dabei ein paar besondere Herausforderungen: Wichtig sind Aspekte wie vertrauenswürdige Quellen, Geheimhaltung, Herstellerneutralität bei grundsätzlichen Fragestellungen, die Anpassbarkeit der Weiterbildungsinhalte an die aktuellen, individuellen Fragestellungen und die Entwicklungsziele des Unternehmens. Das beste Instrument sind hierfür Inhouse-Seminare und -Workshops. Diese Form der Weiterbildung hat noch den weiteren Vorteil, dass keine Reisekosten und -zeiten für die Teilnehmer anfallen – Unternehmensressourcen also optimal genutzt werden können. Da bei Inhouse-Seminaren die Teilnehmerzahl innerhalb eines gewissen Rahmens keine Rolle spielt, können sich so auch ganze Teams abteilungsübergreifend weiterbilden und bei späteren Projekten auf der gleichen Wissensbasis aufsetzen. Auch können so Themen einfacher aus verschiedenen Blickwinkeln aufbereitet werden.
Disruptiv gedacht bietet eine wirtschaftliche Krise, die i.d.R. mit Absatz- und Umsatzrückgängen einhergeht, Zeit, Unternehmensentwicklung und -perspektiven im Kontext zu aktuellen Herausforderungen zu reflektieren, und damit verbunden bietet eine Krise auch die Chance zur systematischen Vorbereitung der Wettbewerbsvorteile durch einen konsequenten Wissenmanagementansatz. Mit dem Übergang in ein kontinuierliches und weniger punktuelles Modell kann ein Unternehmen dann kommende Krisen – und die kommen immer wieder – auch besser bewältigen. Mir ist klar, dass diese Gedanken den klassischen Spar­reflexen in Krisenzeiten widersprechen. Da zählt auch das Argument wenig, dass das Geschäft die letzten Jahre sehr gut lief und bei vielen Unternehmen Reserven geschaffen wurden. Diese zukunftssichernd zu nutzen, ist jetzt eine zentrale Managementaufgabe. Und soviel ist klar – mit Sparen allein war und ist noch kein Unternehmen lange und nachhaltig erfolgreich.

Die Meinungen über die Herausforderungen und Mitteleinsatz beim Wissensmanagement gehen teilweise auseinander, wobei unsere Drei sich beim Mitteleinsatz eher in gelernten Strukturen bewegen (Bild: www.rainer-e-ruehl.blogspot.com)

Die Meinungen über die Herausforderungen und Mitteleinsatz beim Wissensmanagement gehen teilweise auseinander, wobei unsere Drei sich beim Mitteleinsatz eher in gelernten Strukturen bewegen (Bild: www.rainer-e-ruehl.blogspot.com)