Die Bundeswehr macht ernst  mit der TL-A0023 – mal sehen

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10.09.2020 Die Bundeswehr macht ernst mit der TL-A0023 – mal sehen

von Thomas Stein (IMTS Interims Management Thomas Stein)

Schon lange gibt es für die Bundeswehr die verbindliche IN 2303, die das Schweißen im militärischen Bereich regelt. Nun folgt die TL-A 0023, die das Kleben regeln soll.

Nun folgt die TL-A 0023, die das Kleben regeln soll. Die Besonderheit ist hier sicher – und auch gut nachvollziehbar –, dass die Definition der Sicherheitsklassen entsprechend den besonderen Bedürfnissen der Bundeswehr folgt.

Bekannt sind dem, mit der DIN 2304 Vertrauten die Elemente „Personalanforderungen bzw. Personalqualifikation“, die Funktion und die Rolle der Klebaufsichtspersonen (KAP) und die Verpflichtung zur Nachweisführung sowie zur Dokumentation. Aufrütteln muss die Auflistung der Anwendungsbereiche der TL-A 0023: „Diese TL gelten für das Kleben von Fügeteilen bei der Herstellung und Instandsetzung von Produkten. Sie legt Mindestanforderungen an Qualitätssicherungssysteme fest. Und beschreibt das Verfahren zur Erlangung der Betriebsqualifikation für militärische Produkte. Sie gilt gleichermaßen für Dienststellen der Bundeswehr sowie für zivile Betriebe, die Klebarbeiten an Produkten durchführen [...]“, soweit ein Zitat aus der TL-A 0023.

Diese TL sind also für Bundeswehr UND Zulieferer relevant, für die originäre Produktion ebenso wie für Wartung und Instandhaltung.

Bei der Frage: „Was sind militärische Produkte?“ hilft sicher der später in der TL verwendete Begriff „wehrtechnisches Gerät“ weiter.Da wird dann zwischen allgemeinen Produkten und solchen mit Schutzfunktion (z.B. aufgeklebte Panzerung von Fahrzeugen bzw. eingeklebte, beschussfeste Scheiben) oder gar mit Luftfahrttauglichkeit (z.B. geklebte Flugzeug- oder Helikopter-Bauteile) unterschieden. Das zeigt eine enorme Bandbreite, die es dann in der klebtechnischen Fertigung bzw. Instandhaltung abzubilden gilt.

Die TL-A 0023 ordnet die Klebverbunde in insgesamt vier Bauteilklassen (BK) ein. Was bei der DIN 2304 als S1 bis S4 tituliert wird, heißt hier BK1 bis BK4. Bei den Bauteilklassen geht es um die im Betrieb zu erwartenden statischen und dynamischen Lasten. Dass bei wehrtechnischem Gerät den Sicherheitsklassen eine besondere Bedeutung zukommt, versteht sich von selbst – hier sehe ich den größten Unterschied zur länger bekannten DIN 2304. Die TL weist den Bauteilklassen direkt und sehr klar die Zuständigkeiten und die geforderten Personalqualifizierungen zu. Auch werden die Aufgaben der KAP umfassend dargestellt. Diese TL sind also eine hilfreiche Arbeitsunterlagen für jeden, der sich mit Kleben an wehrtechnischem Gerät beschäftigt.

Soviel zur Theorie, kommen wir zur Praxis: Im Mai 2020 sind in Deutschland zwölf Unternehmen nach DIN 2304 zertifiziert, weitere 14 im Ausland. Das sind nicht viele und es bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung bei der TL-A0023 sein wird, wenn „die Bundeswehr jetzt ernst macht“. Aktuell ist ein Unternehmen nach der TL zertifiziert. Das ist insofern interessant, da die Übergangsfrist im Oktober 2020 ablaufen sollte. Und dann? Wird dann bei der Bundeswehr nicht mehr geklebt? Wohl kaum – es wird wohl auf eine Fristverlängerung hinauslaufen.

Nur zum Vergleich: Die Deutsche Bahn war mit der verbindlichen Einführung der DIN 6701, dem bahn-spezifischen Gegenstück zur DIN 2304, die für alle Anwendungen außerhalb des Schienenverkehrs Anwendung findet, deutlich früher dran. Hier waren Ende 2019 insgesamt 762 Unternehmen nach der DIN 6701 zertifiziert.

Thomas Stein, Inhaber, IMTS Interims Management
"Wenn die Bundeswehr ernst macht, wird Kleben ab Herbst diesen Jahres schwierig. Mal schauen, was wir von der Front noch hören.“ Thomas Stein, Inhaber, IMTS Interims Management