Alternative zum Spritzgießen

Die Düse setzt ein Tröpfchen Silicon nach dem anderen exakt dort ab, wo es das Computerprogramm vorgibt (Bild: Wacker Chemie AG/enders Ingenieure GmbH)

14.03.2016 Alternative zum Spritzgießen

Der 3D-Druck von Formteilen und Dichtungen aus Silicon eröffnet neue Perspektiven

von Dr. Bernd Pachaly (Wacker Chemie AG), Florian Ganz (enders Ingenieure GmbH)

Der 3D-Druck ist ein Zukunftstrend. Unternehmen, Produktentwickler und Designer fertigen damit Ersatzteile, Prototypen, Kleinserien etc. Doch die Palette der Materialien ist begrenzt. Bisher lassen sich vor allem Kunststoffe und Metalle drucken. Nun wurde ein Verfahren entwickelt, mit dem sich auch Objekte aus Silicon im 3D-Druck fertigen lassen. Damit steigt auch die Attraktivität für die Dichtungstechnik.

Individuell gefertigte Siliconteile werden schon bald verfügbar sein. Die Lösung hierfür entwickelten Wacker Silicones und die enders ingenieure GmbH mit dem dreidimensionalen Druck von Silicon. Das ist ein Durchbruch in der Welt der „additiven Fertigung“, denn Elastomere, also gummiartige Substanzen, konnte man bisher nicht drucken. Es gab einfach kein geeignetes Verfahren dafür. Formteile aus Silicon konnten bisher nur im kostspieligen Spritzgussverfahren gefertigt werden. Dazu bedarf es allerdings eines eigenen Werkzeugs, dessen Herstellung sich nur für größere Stückzahlen lohnt.

Spritzguss ist und bleibt das etablierte Verfahren für die Serienproduktion. Aber diejenigen, die Prototypen entwerfen oder nur wenige Exemplare eines Bauteils produzieren wollen, können Kleinserien jetzt schnell und flexibel fertigen und dabei immer neuen Anforderungen anpassen. Darin besteht der eigentliche Mehrwert des neuen Verfahrens. Damit schließt Silicon mit der neuen Technologie zu Materialien wie thermoplastisch verformbaren Kunststoffen, Metallen und Keramiken auf. Und der Fantasie sind quer durch alle Branchen keine Grenzen gesetzt.