Professor Georg Menges verstorben

Geschätzter Kollege, Lehrer und Freund: Professor em. Dr.-Ing. Dr. mont. E. h. Georg Menges (Bild: Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV))

02.03.2021 Professor Georg Menges verstorben

Das IKV trauert um Professor Georg Menges, der am 28. Februar 2021 im Kreise seiner Familie verstarb.

Professor Menges wird in Gernsbach/Baden geboren und studiert nach Kriegsdienst und mehrjähriger Kriegsgefangenschaft ab 1949 Maschinenbau an der damaligen TH Stuttgart, wo er 1955 mit einer Arbeit zum Sprödbruchverhalten von Metallen zum Dr.-Ing. promoviert. Anschließend wechselt er zunächst in die Eisenhüttenindustrie, wendet sich aber schon bald der aufkommenden Kunststoffindustrie zu und wird 1965 auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Kunststoffverarbeitung der TH Aachen berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 1989 innehat. Gleichzeitig wird ihm die Leitung des Instituts für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen übertragen.

Schnell etabliert sich Menges als kreativer Impulsgeber und dynamischer Manager des nun rasch wachsenden Instituts und es gelingt ihm, zahlreiche Firmen der noch jungen Kunststoffbranche als Kooperationspartner und Mitglieder der IKV-Fördervereinigung zu gewinnen. Sehr früh erkennt er den Nutzen der Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft und entwickelt diese zum Leitbild und Markenkern des IKV. Mit der rasant zunehmenden Nachfrage nach Kunststoffanwendungen entwickelt sich die Kunststofftechnik auch als Wissenschaftsdisziplin und Menges etabliert das IKV als führendes Forschungs- und Ausbildungsinstitut, das sich der gesamten Themenpalette von der Werkstofftechnik über die Konstruktionstechnik bis hin zu den vielfältigen Verfahren zur Ver- und Bearbeitung von Kunststoffen widmet. Er ist Pionier der Automatisierung und hat Computer Integrated Manufacturing als Vorläufer zur Industrie 4.0 maßgeblich der Kunststofftechnik zugänglich gemacht – auch wenn er anfangs für seine Bemühungen belächelt wurde, Spritzgießprozesse mit (raumgroßen) Computern zu regeln. Daneben erkennt Menges bereits früh die Chancen, die sich durch den Einsatz numerischer Simulationsverfahren für die Berechnung von Wärme- und Stofftransport in Kunststoffverarbeitungsprozessen ergeben, und entwickelt am IKV entsprechende Programme. Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst befasst sich Menges insbesondere mit dem Recycling von Kunststoffen, regt zahlreiche Projekte hierzu an, arbeitet an Patenten und verfasst dazu Bücher.

Die zunehmende Nachfrage nach qualifizierten Kunststoffingenieuren veranlasst Menges, die Einrichtung eines eigenen Studiengangs zu betreiben, und so wird an der RWTH Aachen 1970 erstmalig an einer Universität die Studienrichtung „Kunststofftechnik“ angeboten. Unkonventionelle Lehrmethoden – so muss aus Gründen der Anschaulichkeit auch mal eine Spritzgießmaschine in den Hörsaal geschafft werden –, eine praxisorientierte Ausbildung und sein besonderes Charisma führen zu regem Zulauf, sodass Menges am Ende seiner aktiven Laufbahn auf über 1.000 in seiner Wirkungszeit ausgebildete Diplom-Ingenieure und mehr als 200 Promotionen zurückblicken kann. Neben einer guten fachlichen Ausbildung ist ihm die Entwicklung von Persönlichkeiten wichtig, die in Industrie und Wissenschaft Verantwortung übernehmen können. Mit diesem Anspruch und einem großen Engagement als Mentor und Ratgeber erlangen zahlreiche Absolventen des IKV zentrale Führungspositionen in der Kunststoffindustrie und in der Forschung. Besonders fördert Menges Ausgründungen und begleitet Absolventen und Doktoranden auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Für seine Verdienste um die Kunststofftechnik werden Menges zahlreiche hohe nationale und internationale Auszeichnungen zuteil. Besonders hervorzuheben, weil sich hierin Breite und Tiefe der Wertschätzung seines Wirkens widerspiegeln, sind die Verleihung des Verdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland sowie des Handwerksabzeichens in Gold, die Aufnahme in die Plastics Hall of Fame der Plastics Academy, USA, sowie die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Montanuniversität Leoben.