Lieferketten für Naturkautschuk transparenter machen

Die Studie (Bild: Global Nature Fund (GNF) =

06.02.2019 Lieferketten für Naturkautschuk transparenter machen

Wie Unternehmen Nachhaltigkeitsprobleme erkennen und lösen können, das zeigt eine neue Studie auf, die das SÜDWIND-Institut und der Global Nature Fund veröffentlicht haben. Die beiden Organisationen fordern Kautschukunternehmen dazu auf, transparente Lieferketten aufzubauen und den Risiken angemessen zu begegnen.

Etwa 70% des in Deutschland verwendeten Naturkautschuks landen in Autoreifen. Neben vielen Produkten für den täglichen Bedarf wird Naturkautschuk u.a. für Dichtungen und Schläuche eingesetzt. Der überwiegende Anteil stammt aus Südostasien und findet in kleinbäuerlicher Produktion statt. Wegen seiner spezifischen Ansprüche an Niederschlag und Temperatur ist der Kautschukbaum überwiegend im tropischen Tiefland nahe dem Äquator zu finden. In den Anbauregionen kommt es immer wieder zu illegalen Rodungen von Tropenwäldern. Kautschuk hat, vor allem in Phasen, in denen der Weltmarktpreis sehr hoch ist, einen bedeutenden Anteil an der globalen Entwaldung. Für das Weltklima ist es wichtig, dass Unternehmen entwaldungsfreie Lieferketten aufbauen. Doch der Anbau trägt auch zum weltweiten Artenverlust bei. Naturkautschuk wird in Monokultur angebaut. Monokulturen bieten nur wenig Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Vogelarten gehen z.B. um 90 bis 95% zurück.

In einigen Anbauländern, wie z.B. in Kambodscha, ist es zu Landvertreibungen gekommen. Vereinzelt sind auch Fälle von Schuldknechtschaft und Kinderarbeit bekannt. Das sind zwar keine flächendeckenden Probleme, es zeigt aber, wie wichtig es für die Unternehmen ist, die Herkunft ihres Gummis genau zu kennen, um solche Missstände ausschließen zu können. Ein wirklich flächendeckendes Problem ist aber der schon seit etlichen Jahren extrem niedrige Preis für Naturkautschuk. Viele kleinbäuerliche Betriebe sind dadurch in ihrer Existenz bedroht. Die Studie zeigt diese Probleme auf, benennt aber auch erste Ansätze, um den Problemen zu begegnen. Einige Unternehmen haben bereits begonnen, die Transparenz in ihrer Lieferkette zu erhöhen und einige Nachhaltigkeitsaspekte stärker zu berücksichtigen. Gegenwärtig bildet sich unter maßgeblicher Führung der Reifenindustrie auch eine globale Plattform, die einen gemeinsamen Standard anstrebt. Hier gilt es nun, ambitionierte Ziele zu setzen und klare Kontrollmechanismen einzuführen.

Hier geht es zur Studie