Klebstoffe für medizintechnische Messsysteme

Klebstofflösungen für unterschiedliche Anforderungen in der Medizintechnik: technicoll® 9431 eco für präzise ABS-Verklebungen sowie zwei ausgewählte Vibra-TITE®‑Cyanacrylatklebstoffe mit produktbezogenen Nachweisen nach ISO 10993. (Bild: RUDERER KLEBETECHNIK GmbH)

24.09.2026 Klebstoffe für medizintechnische Messsysteme

Bei präzisen Mess- und Wägesystemen entscheidet das verlässliche Zusammenspiel vieler Komponenten über Prozessqualität und dauerhafte Funktion. Besonders im medizintechnischen Umfeld müssen Werkstoffauswahl, reproduzierbare Fertigung und saubere Verarbeitung zusammenpassen. In einem Anwendungsfall werden ABS-Bauteile innerhalb eines hochpräzisen Mess- und Wägesystems  mit technicoll® 9431 eco von Ruderer dauerhaft verbunden.

Der Klebstoff technicoll® 9431 eco ist für die Klebung und Reparatur von Metallen, Duromeren und zahlreichen thermoplastischen Kunststoffen ausgelegt – ausdrücklich auch für ABS. Seine pastöse, standfeste Konsistenz erleichtert den Auftrag an vertikalen Flächen und bei Klebfugen, in denen ein fließfähiger Klebstoff unerwünscht wäre. Das gute Spaltfüllvermögen unterstützt die Verarbeitung bei konstruktiv bedingten Toleranzen. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher ABS-Typen, Oberflächen und Additivierungen bleiben anwendungsbezogene Haftungsversuche vor dem Serieneinsatz unverzichtbar.

Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Formulierung ohne CMR‑Einstufung. Nach den Produktinformationen weist der Klebstoff gegenüber üblichen 2K-PUR-Klebstoffen eine geringere Gesundheitsgefährdung auf. Für seine Verarbeitung ist keine Diisocyanat-Schulung erforderlich. Das reduziert den organisatorischen Aufwand in der Fertigung und unterstützt Unternehmen dabei, technische Leistung und arbeitsschutzorientierte Beschaffung gemeinsam zu betrachten. Die fehlende CMR-Einstufung ist dabei nicht mit einer generellen Gefahrlosigkeit gleichzusetzen. Maßgeblich bleiben das aktuelle Sicherheitsdatenblatt, die betriebliche Gefährdungsbeurteilung und die vorgesehenen Schutzmaßnahmen. Der biobasierte Anteil von ca. 50 % ergänzt das Profil um einen ressourcenbezogenen Aspekt, ohne die technische Eignungsprüfung für die konkrete Klebung zu ersetzen.

Medizintechnik ist nicht gleich Medizintechnik: Eine geräteinterne Strukturklebung kann – abhängig von ihrer Einbausituation – andere Anforderungen stellen als eine Klebung, die im Rahmen der biologischen Bewertung eines Medizinprodukts berücksichtigt werden muss. Für ausgewählte Anwendungen mit entsprechendem Nachweisbedarf umfasst das Medizintechnik-Portfolio von Ruderer deshalb neben technicoll® 9431 eco auch Cyanacrylat-Klebstoffe von Vibra-TITE® (ehemalige Bezeichnung Cyberbond) mit Prüfungen bzw. Zertifizierungen nach Teilen der ISO-10993-Reihe.

Vibra-TITE® 2610 verfügt über einen Nachweis nach ISO 10993-5 für In-vitro-Prüfungen auf Zytotoxizität und härtet auch auf unterschiedlichen Kunststoffen, Metallen und Elastomeren schnell aus. Der hochviskose Vibra-TITE® 1603 ist nach ISO 10993-5, ISO 10993-10 und ISO 10993-11 zertifiziert und eignet sich für hochfeste Verbindungen von Kunststoffen, Metallen und Elastomeren. Vibra-TITE® 2241 ist ebenfalls nach ISO 10993-5 geprüft; der schwarze, hochviskose und teilflexibilisierte Klebstoff ist besonders für dynamisch beanspruchte Metall-Gummi- und Metall-Kunststoff-Verbindungen ausgelegt.

Diese produktbezogenen Normnachweise sind eine wichtige Grundlage für die Vorauswahl, stellen jedoch keine pauschale Zulassung des fertigen Medizinprodukts dar. Die biologische Bewertung, das Risikomanagement und die Validierung müssen immer für das konkrete Endprodukt, seine Kontaktart und die vorgesehene Anwendung erfolgen.

Gerade in der Medizintechnik reicht es nicht, nur einen hohen Festigkeitswert zu betrachten. Werkstoff, Klebfugengeometrie, Fertigungsprozess, Arbeitsschutz und ggf. regulatorische Nachweise müssen gemeinsam bewertet werden. Dieser abstrahierte Praxisfall zeigt, wie technicoll® 9431 eco eine anspruchsvolle ABS-Verklebung in einem Präzisionsgerät unterstützt. Wo zusätzliche biologische Prüfungen relevant sind, kann das Unternehmen gezielt Klebstoffe mit passenden ISO-10993-Nachweisen in die Auswahl einbeziehen. Ruderer begleitet Anwender von der Werkstoff- und Anforderungsanalyse über Testverklebungen bis zur Auslegung eines reproduzierbaren Klebprozesses. Im eigenen Technikum lassen sich unter anderem Haftung, Zugscherfestigkeit sowie Alterungs- und Klimawechselverhalten untersuchen.

Lösungspartner

Ruderer Klebetechnik GmbH

Zielgruppen

Einkauf, Konstruktion & Entwicklung, Produktion & Fertigung, Qualitätssicherung