Differenzierung statt Pauschalverbot: mögliche Folgen eines PFAS-Verbots ohne Alternativen

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung sind PFAS-Substanzen in vielen Bereichen – wie bestimmten Dichtungslösungen – alternativlos und müssen differenzierter betrachtet werden (Bild: AdobeStock_Studio_East)

02.07.2026 Differenzierung statt Pauschalverbot: mögliche Folgen eines PFAS-Verbots ohne Alternativen

Die Diskussion um ein EU-weites Verbot von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) erreicht eine kritische Phase. Als traditionsreicher Dichtungshersteller bezieht die Kautasit Gruppe Stellung: Während der Schutz von Umwelt und Gesundheit oberste Priorität hat, gefährdet ein pauschaler Verbotsansatz ohne wissenschaftliche Differenzierung die technologische Souveränität Europas.

PFAS sind eine Gruppe von über 10.000 künstlich hergestellten Chemikalien. In der aktuellen Debatte um ein EU-weites PFAS-Verbot werden jedoch oft niedermolekulare PFAS (wie in Skiwachsen oder Löschschäumen) mit hochmolekularen Fluor-Elastomeren gleichgesetzt. Das Unternehmen weist darauf hin, dass hier eine fachliche Trennung nötig ist. So können niedermolekulare Stoffe bioakkumulativ sein und sich folglich sowohl im menschlichen Körper als auch im Trinkwasser anreichern. Auf hochmolekulare PFAS treffe dies jedoch nicht zu, da sich diese weder in Ölen und Säuren lösen noch eine Verbindung mit dem menschlichen Körper eingehen. Folglich gehe von diesen fertigen Elastomeren keine Gefahr aus.

Fluor-Elastomere zeichnen sich durch eine extreme Hitze- und Chemikalienbeständigkeit aus. In modernen Wärmepumpen, die in Kontakt mit aggressiven Kältemitteln und Ölen stehen, gibt es derzeit keinen anderen Werkstoff, der diese physikalischen Eigenschaften besitzt. Ein Verbot würde nicht nur die Heizungswende stoppen, sondern auch die Gesundheitsversorgung und die Industrie existenziell treffen. Das Unternehmen setzt deshalb bereits heute auf maximale Transparenz und sorgt für einen Nachweis seiner Materialien. Mithilfe des internationalen Materialdatensystems (IMDS) wird dokumentiert, welche Materialien vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt in den Verkehr gebracht werden. Durch diese Rückverfolgbarkeit kann auch auf zukünftige Gesetzesänderungen, beispielsweise im Hinblick auf die Rücknahme von PFAS-Artikeln nach deren Produktzyklusende, flexibel und rechtssicher reagiert werden.

Gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages – treibt man eigene Forschungs- und Entwicklungsprojekte voran. In enger Kooperation mit dem Institut für Luft- und Kältetechnik Dresden wird intensiv an Ersatzstoffen gearbeitet. Doch Forschung braucht Zeit. Die aktuell diskutierten Übergangsfristen von 1,5 bis 13 Jahren seien für die Entwicklung und Zertifizierung neuer Werkstoffe in sicherheitskritischen Bereichen oft nicht ausreichend, so das Unternehmen.

Der aktuelle Entwurf der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) wird derzeit vom SEAC-Ausschuss (sozioökonomische Analyse) geprüft. Im Rahmen der öffentlichen Konsultation möchte das Unternehmen für Vernunft in der Regulierung werben. Es plädiert dabei für ein differenziertes Vorgehen nach dem Vorbild Großbritanniens und Kanadas: Eine generelle Freigabe für Fluor-Polymere, die nachweislich eine geringe Bedenklichkeit aufweisen. Ein Äquivalent in der EU wäre die „Option 3”. Diese sieht Ausnahmeregelungen für essenzielle PFAS vor – kombiniert mit strengen Auflagen zur Emissionsminimierung während der Herstellung.

Lösungspartner

KAUTASIT Gruppe
KAUTASIT Gruppe

 

Zielgruppen

Qualitätssicherung, Unternehmensleitung, Vertrieb, Einkauf, Konstruktion & Entwicklung