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Wir müssen Antworten auf Fragen geben, die noch nie gestellt wurden.

(Bild: AdobeStock_Julien Eichinger)

21.03.2022 Wir müssen Antworten auf Fragen geben, die noch nie gestellt wurden.

von Dr. Evert Smit (Afera, The European Adhesive Tape Association)

Lassen Sie mich zunächst kühn behaupten: Die Älteren unserer Gesellschaft müssen Platz für die Jungen machen – und zwar lieber heute als morgen.

Warum? Ganz einfach – wenn es um die Bewältigung unserer globalen Probleme geht, befinden wir Älteren uns zu oft in einer Sackgasse. Noch schlimmer wird es, wenn enorme Anstrengungen unternommen werden, um einen Status quo noch ein wenig länger aufrechtzuerhalten – getragen von der Hoffnung, dass wir uns Zeit verschaffen, bis “die Lösung” auf magische Weise erscheint. Zu oft erlebe ich Diskussionen, die in der Vorstellung festgefahren sind, dass „die Technologie“ unsere Probleme lösen wird. Auf der Suche nach den „richtigen Antworten und Lösungen“ für die Probleme von heute und morgen erlebe ich dabei die Älteren oft „voreingenommen“ – dahingehend, dass wir (ich gehöre zu den Älteren) bei der Beantwortung komplexer Fragen nach Beweisen suchen, die unsere Antworten und Lösungen unterstützen. Wir nutzen bekannte und bewährte Instrumente, um die „neue Welt“ zu beschreiben und zu verstehen. Einige meinen heute, wir müssten nur einen Sprung machen, um “agil” zu werden – mich fröstelt es bei dem Gedanken. Vorausgesetzt, es wurden überhaupt die richtigen Fragen gestellt, schützen wir „unsere” Lösung als
geistiges Eigentum oder mit Geheimhaltungsvereinbarungen. Die meisten Antworten und Lösungen, die in bewährten Modellen und Prozessen entstehen, sind kontroll- und sicherheitsbasiert und zielen darauf ab, die Risiken zu minimieren. Aber für wen? Darüber hinaus basieren sie oft noch auf linearen Modellen mit wenigen Faktoren. Was aber, wenn die Risiken unbekannt sind und sich nicht im Rahmen der gewählten Modelle beschreiben lassen? Alles, was wir wissen, ist, dass das Morgen keine Erweiterung des Heute ist. Damit bremst uns die alte Vorgehensweise, Probleme von morgen zu betrachten, und blockiert den notwendigen, tiefgreifenden Wandel. Wir haben aufgehört, die Welt zu beschreiben, die wir sehen, und sehen nur noch die Welt, die wir beschreiben. Die Welt wird aus der Vergangenheit heraus gesehen, aus dem Bekannten, aus bestehenden Modellen und Ansätzen. Aber das, was heute geschieht, hat es noch nie gegeben, also kann eines solcher Modelle auch nur ansatzweise etwas damit anfangen. Wir wissen jedoch, dass die Antworten von gestern nicht haltbar sind, so viel haben wir gelernt. Wir haben uns bei zentralen Fragestellungen einer Entwicklung verweigert und wundern uns jetzt, dass wir Schwierigkeiten haben, zu verstehen, was passiert und warum unsere Modelle und Methoden nicht mehr greifen. Ich weiß, es ist eine entmutigende Aufgabe, die vor uns liegt. Eine, bei der, um ehrlich zu sein, Menschen meines Alters weniger geeignet sind, die Führung zu übernehmen. Vielen, wenn nicht den meisten Menschen, die vor den ersten Apple Macintosh geboren sind, fehlen einfach die Mittel. Sie sehen z.B. Internet und Computer nur als Werkzeuge, wie einen modernen Hammer, einen Stift, Maschinen. Künstliche Intelligenz ist nur ein intelligenter Computer. Wenn wir versuchen, die „Digital Natives” zu führen, fällt es uns schwer, uns ihre Denkweise vorzustellen. Wir sehen nicht die Möglichkeiten, die sie sehen, und wir kennen ihre „inneren Antreiber“ nicht. Sie möchten z.B. eine Welt erben, in der sie leben können. Sie möchten keinen absoluten Fokus mehr auf Wachstum, Gewinn und Effizienz in allen Facetten. Sie wollen keine “Magersuchtsstrategien” (Arjan van Witteloostuijn, 1999), sondern sie suchen – neben Strategien zum Überleben – nach Sinn, ihrem Beitrag und gemeinsamen Tun und Handeln. Das stellt z.B. „ältere“ Konzepte wie “Lean”, “Just-in-time” und “Outsourcing” grundsätzlich infrage. Betrachten wir die Natur, wie sie ist und nicht wie wir sie sehen wollen, finden wir keine Antwort auf die Frage: Welche Spezies lebt mehrheitlich so wenig im Einklang mit der Natur? Die „Natur“ weiß, dass es harte Zeiten geben wird, und sorgt dafür, dass sie dann etwas „Fett auf den Knochen“ hat. Die „Natur“ weiß, dass sie sich nicht auf begrenzte, aber leicht zu beschaffende Quellen verlassen kann – oder die Art wird eines Tages aussterben. Der Wettbewerb um das Überleben besteht aus viel mehr als nur dem Raubtier. Und siehe da, es bewahrheitet sich auch in unserer zunehmend technisierten Welt: Die Chiphersteller können nicht liefern, und die Autoindustrie leidet, obwohl sie keine Computer herstellt. Ein Containerschiff, das in einer Wasserstraße festsaß, und die veränderten politischen Rahmenbedingungen der letzten Jahre brachten Handels- und Beschaffungsstrukturen aus dem Tritt. Ein Virus ist auf dem Weg, unsere Gesellschaften gravierend zu verändern und zwingt uns, Entwicklungen zu sehen, die wir lange nicht sehen wollten. Energiesicherheit zu akzeptablen Preisen war die letzten Jahrzehnte so was wie ein „Grundrecht“ in Europa und zentraler Treibstoff für Wachstum – und zukünftig? Es zeigt sich, dass sich die Welt einfach nicht linear verhält und entwickelte, weshalb ich z.B. Stage-Gate für absolut kein nützliches F&E-Instrument halte. Es ist doch eher wie beim berühmten Schmetterlingseffekt: Alles beeinflusst alles. Und wir sitzen derzeit noch mehr Irrtümern auf: Das Sammeln von mehr Daten verlangsamt uns nur, denn keine Datenmenge ist ohne Analyse und intensive, sogar hitzige Diskussion von Nutzen. Ganzheitliche Sichtweisen auf die großen Themen sind gefragt, zu viele Details verwirren nur. Und der Versuch, Probleme und Prozesse in unabhängige Teilprozesse zu zerlegen, führt m.E. zu ineffektiven Analysen und Lösungen. So, genug der negativen Nabelschau unserer Industriegesellschaft. Die Kraft zur Entwicklung liegt in einer positiven Herangehensweise. Und es ist höchste Zeit für einen zukunftsorientierten Ansatz. Was das sein könnte, werde ich in zukünftigen Kolumnen zum Diskurs stellen. Dabei wird es wieder kühne Aussagen zum geistigen Eigentum, zur Mitgestaltung und zu „meiner Generation” geben. Es wird auch um die Rolle von „beidhändigen“ Organisationen (aber dann echten) gehen. Und mit Antworten und Lösungen aus der Kleb-(band)-Technologie können wir viel dazu beitragen, Pandemien zu bekämpfen. Machen wir uns nichts vor: Die Klimakrise ist eine Pandemie, aber in Zeitlupe (The Correspondent, 7. Mai 2020). Und wir sollten bessere Anworten geben, als in der aktuellen Virus-Pandemie.

Dr. Evert Smit, President, AFERA
Auch wenn es in meiner ersten Kolumne eher um die Welt im Allgemeinen, wie ich sie sehe, und noch nicht um Klebebänder geht – diese Technologie wird bei der Zukunft, die wir gestalten, eine wichtige Rolle spielen. Ob zum Guten oder Schlechten liegt an uns. Dr. Evert Smit, President, AFERA

Lösungspartner

Afera, The European Adhesive Tape Association
Afera, The European Adhesive Tape Association

 

Themen

Kleben

Zielgruppen

Einkauf, Instandhaltung, Konstruktion & Entwicklung, Produktion & Fertigung, Qualitätssicherung, Unternehmensleitung, Vertrieb