Wie „grün“ können Klebstoffe derzeit sein?

„Grüne“ Argumente für chemische Produkte bedürfen der genauen Abwägung (Bild: Drei Bond GmbH)

29.10.2021 Wie „grün“ können Klebstoffe derzeit sein?

Das Thema Nachhaltigkeit bedarf bei chemischen Produkten einer realistischen Betrachtung

von M. Sc. Johanna Storm (DREI BOND GmbH), Dr. Florian Menk (DREI BOND GmbH), Christian Eicke (DREI BOND GmbH)

Die nächsten Jahre werden Produkte und Technologien verstärkt unter Aspekten wie Ökologie und Kreislaufwirtschaft diskutiert. Das gilt auch für Klebstoffe, das Rückgrat der Verbindungstechnologie des 21. Jahrhunderts (Bild 1). Dieser Diskurs sollte sich allerdings weniger an Vermarktungsargumenten als an der Realität von – in diesem Fall – chemischen Produkten orientieren.

In Zeiten von Corona-Krise, Klimawandel und Umweltschutzdebatten bekommen die Gesundheit des Menschen sowie der Schutz der Umwelt oberste Priorität – sowohl im privaten wie auch im wirtschaftlichen Umfeld. Jüngste Umweltkatastrophen auch in Deutschland machen dabei deutlich, was sich in der Praxis hinter diesen Themen verbirgt. Die „Gunst der Stunde“ nutzend versprechen uns Marketing-Kampagnen aus allen Branchen umweltfreundliche, klimaneutrale und gesundheitsfördernde Produkte, deren Erwerb ein gutes Gefühl beim Käufer erzeugen soll. Klassische Vertreter sind derzeit E-Fahrzeuge, Bio-Lebensmittel und regionale Produkte im Supermarkt oder zu 100% recycelbare Verpackungen etc. Dabei werden neben diversen Zertifizierungen immer wieder die gleichen Begriffe verwendet, die wie ein Lockmittel für den Kunden bzw. Anwender wirken sollen: „CO2-neutral“, „nachhaltig“, „biologisch abbaubar“, „regional“, „grün“... – kombiniert mit Bildern von Bäumen, Pflanzen und Bienen. Insbesondere die Farbe Grün wird gerne als direkter Eye-Catcher verwendet, gemäß dem Motto: Was grün aussieht, kann nur gut für die Umwelt und den Menschen sein. So ist es nicht verwunderlich, dass aus allen Ecken „grüne“ Produktlinien auf den Markt gebracht werden. Unter Begriffen wie „Green Line“ findet man z.B. Nahrungsergänzungsmittel, Naturböden, besonders umweltfreundliche Waschmittel oder Befestigungsprodukte aus mindestens 50% nachwachsenden Rohstoffen. Ebenso gibt es eine Vielzahl analoger Produktlinien, die die Bezeichnungen „eco“, „nature“ oder Ähnliches im Namen tragen.