Was man beim Kleben  berücksichtigen sollte

Mithilfe von Klebstoffen gedruckte 3D-Bauteile teilweise in Hart-/Weich-Kombination (Bild: DELO Industrie Klebstoffe)

15.06.2020 Was man beim Kleben berücksichtigen sollte

Aktuelle Einschätzungen zu Trends und Entwicklungen in der Klebtechnik

von Bernd Scholl (DELO Industrie Klebstoffe GmbH & Co. KGaA)

Diese Technologie ist einerseits „Möglichmacher“ für viele Fragestellungen und andererseits sind viele Aspekte zu berücksichtigen, damit die jeweilige Lösung im Projekt das Gewünschte möglich macht. Die Statements der Experten zeigen die Bandbreite der aktuellen Aspekte.

In den nächsten Jahren wird sich der Trend in Richtung Miniaturisierung weiter fortsetzen. Dabei müssen Klebstoffe – ob in der Automobilindustrie oder in der Mikro- und Unterhaltungselektronik – immer präziseren Dosieranforderungen standhalten, oft bei anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund haben wir z.B. mit Xaar zusammengearbeitet, um mit deren Inkjet-Technologie Polymere mit einer Tröpfchengröße von gerade einmal 84 pl jetten zu können. Diese UV-härtenden Materialien werden zunehmend als optische Elemente anstelle von Glas oder Kunststoffen eingesetzt. Damit der Fertigungsprozess so unkompliziert wie möglich abläuft, sind die Produkte schnellhärtend und haften auf verschiedenen Substraten.

Speziell für den industriellen 3D-Druck haben wir außerdem lichthärtende Flüssigmaterialien auf Epoxidharzbasis entwickelt, die in ihrer Funktionalität an Kundenwünsche wie Flexibilität, Transparenz oder Leitfähigkeit angepasst werden können. Das Spannende dabei ist, dass damit ein funktionaler Materialmix möglich ist. So können mit dem Einsatz mehrerer Dosierköpfe z.B. harte und flexible Materialien in einem Druckvorgang verwendet werden. Durch die ähnliche chemische Basis der Materialien zeigen sie eine gute Haftung zueinander und haben isotrope Eigenschaften in alle Druckrichtungen. Die Materialien eignen sich besonders zum Aufbau feiner, funktionaler Strukturen.

Eine weitere, ganz neue Anwendung ist der punktuelle Einsatz von Klebstoffen zur Verringerung von Unwuchten, z.B. bei Lüftern, Elektromotoren oder Turbinen. Schon kleinste Mengen an Klebstoff können die Lebensdauer rotierender Teile erheblich verlängern und deren Lautstärke reduzieren. Das Verfahren ist im Gegensatz zu bisherigen Vorgehensweisen additiv und ermöglicht Herstellern somit eine präzise Wuchtung, ohne dass initial zusätzliches Material eingesetzt werden muss.

Bernd Scholl, Leiter Produkttechnologie, DELO Industrie Klebstoffe
„Klebstoffe sind zunehmend multifunktional und können schon heute weit mehr, als Bauteile dauerhaft miteinander zu verbinden.“ Bernd Scholl, Leiter Produkttechnologie, DELO Industrie Klebstoffe