Vom Birkenpech zu  Hightech-Tapes

Display-Fixierung – schmale Stanzteile müssen fest kleben und Stöße dämpfen (Bild: tesa SE)

01.11.2018 Vom Birkenpech zu Hightech-Tapes

Klebebänder empfehlen sich für viele Lösungen in den verschiedensten Branchen

von Gunnar von der Geest (tesa AG)

Kleben, was das Zeug hält: Seit 180.000 Jahren fügen Menschen ihre Alltagsgegenstände zusammen. Heute sind vor allem im Industriebereich viele Innovationen ohne die spezifischen Eigenschaften von Klebstoffen undenkbar. Verbindungen zwischen unterschiedlichen Oberflächen bzw. Materialien herzustellen, ist dabei nur ein Aspekt. Insbesondere Klebebänder übernehmen oftmals relevante Zusatzfunktionen – und bieten auch in Zukunft noch nahezu unbegrenzte Möglichkeiten.

Ohne „Klebebänder“ wäre die Pfeilspitze im Mammut stecken geblieben. Und das wollte keiner unserer Ururahnen riskieren, denn solch ein Teil war überaus wertvoll. Auch das Beil sollte sich nicht beim Holzfällen vom Griff lösen. Deshalb „erfanden“ schon die Steinzeitmenschen einen Klebstoff: Birkenpech. Experten gehen davon aus, dass die Geschichte des Klebens mindestens 180.000 Jahre zurückreicht. Die weiße Birkenrinde enthält Betulin, das bei sehr hohen Temperaturen und unter Ausschluss von Sauerstoff herausdestilliert und zu einem schwarzen Klebstoff umgewandelt werden kann.

Eine spektakuläre Entdeckung machten Forscher erst kürzlich bei der Untersuchung eines mehr als 2.500 Jahre alten Steins aus dem Bibelmuseum Münster, den der deutsche Archäologe Dr. Robert Koldewey 1913 im heutigen Irak entdeckte. Schwarze Anhaftungen ließen sich eindeutig als Erdharz (Bitumen) identifizieren. Die bemerkenswerte Erkenntnis: Schon die Babylonier verwendeten beim berühmten Turmbau zu Babel, wie er im ersten Buch Mose (Genesis 11,3-4) beschrieben ist, einen Kleber, um die Statik des riesigen Bauwerkes zu optimieren.

Schnelle, sichere und „sanfte“ Prozesse   

Und heute? Avanciert das Kleben zur „Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts“? Diese Frage beantworten Fachleute mit einem eindeutigen „Ja!“ [1]. Demnach wird das Kleben herkömmliche Techniken wie Nageln, Nieten, Schrauben und Schweißen verdrängen. Schon heute gibt es große Industriebranchen, in denen vor allem Klebeband-Lösungen (Bild 1) viele Vorteile bieten: Tapes lassen sich i.d.R. schnell und sauber verarbeiten. Zudem muss die Masse nicht, wie z.B. bei Flüssigklebern, aushärten. Dies beschleunigt Produktionsprozesse und senkt Kosten. Darüber hinaus sind Verklebungen überaus „werkstoffschonend“. Während z.B. beim Bohren, Nieten oder Schweißen die Materialien beschädigt werden und es an den Verbindungsstellen zu negativen Folgeerscheinungen wie Korrosion kommen kann, sind Klebebänder eine sanfte, aber dennoch sichere Fügetechnologie. Welche industriellen Einsatzgebiete sich heute für Tapes eignen, soll nachfolgend an drei Beispielen deutlich gemacht werden: Elektronik-, Automobil- und Bauindustrie.