Umdenken bei der Instandhaltung

Als erstes stirbt die Dichtung und dann die Maschine – Getriebeschaden nach Dichtungsversagen (Bild: Helmut Winkler)

18.03.2019 Umdenken bei der Instandhaltung

Hausgemachte Fehler vermeiden und Innovationen konsequent nutzen

von Dipl.-Ing. Helmut Winkler (TMM)

Die leider immer noch anzutreffende Sicht des Einkaufs, dass Dichtungen C-Teile sind, sieht aus  Instandhaltungssicht schnell anders aus, wenn das Risiko- und Kostenpotenzial eines Dichtungsschadens als Bewertungsbasis herangezogen wird. Dichtungsschäden sind oft hausgemacht und verursachen hohe Folgekosten (Bild1). Und neue Dichtungsentwicklungen bringen nur dann die erhofften Verbesserungen, wenn ein Umdenken stattfindet.

Fehlerkette
C-Artikel sind ein Synonym für Komponenten, die meist standardisiert – also genormt – sind und einen niedrigen Einzelpreis haben. Sie haben ein beachtliches wirtschaftliches und logistisches  Rationalisierungspotenzial. Das gilt für die Beschaffung, für die Bewirtschaftung, Bevorratung und Bereitstellung. Eine Annahme, die für Dichtungen durchaus zutreffen kann, sich aber in der Praxis oftmals als grober Denkfehler herausstellt.

Eine weitere Schwachstelle ist die Werkstoffbezeichnung für die Dichtung. Hierfür werden die Kurzzeichen der ASTM oder DIN, wie z.B. NBR, genutzt. Elastomere sind, wie andere Kunststoffe auch, Mischprodukte. Sie bestehen aus einer Polymerbasis mit einer ganzen Reihe von Zusätzen, auch Additive genannt genannt. Jeder Dichtungshersteller hat dabei seine spezielle Rezeptur, sodass es eigentlich logisch ist, dass z.B. eine NBR-Dichtung des Herstellers A nicht ohne Überprüfung durch eine NBR-Dichtung des Herstellers B ersetzt werden kann (Bild 2). Für die Instandhaltung ist die Maschinendokumentation ein wichtiges Arbeitsmittel. Diese beinhaltet i.d.R. auch eine Ersatzteilliste und Wartungsvorgaben. Man sollte davon ausgehen können, dass, wenn Dichtungen als Ersatzteil angeführt werden, die Angaben nicht zu Unsicherheit führen. Das ist leider nicht immer der Fall. Oft wird verschwiegen, wer der Lieferant für das empfohlene Ersatzteil ist und welche genaue Herstellerbezeichnung es haben muss.