SYSTEM-Lösungen

Es stehen Dichtungslösungen zur Einhaltung der ATEX-Richtlinien, wie diese PS-Seal, zur Verfügung. Bewertet wird aber immer die Maschine, in der sie verbaut ist (Bild: Garlock GmbH)

27.03.2017 SYSTEM-Lösungen

Moderne dynamische Dichtsysteme liefern Antworten für viele aktuelle Fragestellungen

von Frank Sonnenschein (Garlock GmbH)

Bei dynamischen Dichtungen ist das Systemdenken entscheidend. In Kombination mit fast allen aktuellen Trends sind quer durch alle Branchen komplexe Herausforderungen zu meistern – heute und morgen. Der Überblick der Experten zeigt interessante Aspekte.

Ein zentrales Thema ist derzeit die ATEX und ihre Auswirkungen auf PTFE-Radialwellendichtringe. Diese EU Richtlinie 94/9/EG (ATEX – Atmosphères Explosibles) enthält eine Vielzahl von Vorschriften und Regelungen, die den Betrieb von Anlagen und die Verwendung von Geräten, Schutzsystemen, Sicherheits-, Kontroll- und Regelvorrichtungen in explosiven Umgebungen betreffen. In der Praxis gibt es aber immer wieder Probleme mit der Umsetzung. Basiswissen ist deshalb bei allen Projektbeteiligten zwingende Voraussetzung. Denn die ATEX-Richtlinie ist grob in zwei Bereiche geteilt: Anforderungen für die Betreiber von Werken und Anlagen (Chemieparks, Ölplattformen usw.) (Betriebsrichtlinie) und die Anforderungen an Maschinen, Geräte, Systeme und Vorrichtungen (Produktrichtlinie). Hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit und der potenziellen Auswirkungen auf PTFE-Radialwellendichtringe hilft ein Blick in die Produktrichtlinie (2014/34/EU) weiter. Artikel 1, Kapitel 1 Absatz 3c besagt, dass es sich bei Radialwellendichtungen um Komponenten handelt. Das Positionspapier der ESA (European Sealing Association) vom Mai 2014 besagt, dass Komponenten NICHT separat/unabhängig zertifiziert werden können. In diesem Zusammenhang wird dem Dichtungshersteller als Zulieferer eine Unterstützungspflicht auferlegt. Diese bezieht sich primär auf die drei potenziellen Zündgefahren, die bei PTFE-RWDR zu berücksichtigen sind: Ein Zündfunke aufgrund von elektrostatischer Entladung, aufgrund mechanischen Kontaktes und eine Zündung aufgrund von Überhitzung als Folge aus Temperatureintrag, generiert aus der Reibung zwischen Dichtelement und Gegenlauffläche.

Die Zündfähigkeit in Folge von elektrostatischer Aufladung können die Dichtungshersteller in zertifizierten Einrichtungen testen lassen. Sofern ein Zünden ausgeschlossen werden kann, kann hierüber eine Bescheinigung ausgestellt werden. Ein Zündfunke als Folge eines mechanischen Kontaktes kann durch geeignete Designmaßnahmen ausgeschlossen werden. Die Temperatur unter der Dichtlippe kann laut ESA Positionspapier vom Mai 2014 bestenfalls geschätzt werden. Zu diesem Zweck sollten sich Hersteller von Geräten, Systemen und Vorrichtungen an die Dichtungshersteller wenden. Dennoch ist zu berücksichtigen, dass eine abschließende ATEX-Bewertung in Form eines Zertifikats, unabhängig von den Informationen der Hersteller der Komponenten, lediglich am Gerät, am Schutzsystem bzw. der Vorrichtung selbst durch den Gerätehersteller erfolgen kann.

Frank Sonnenschein, Produktmanager dynamische Dichtungen, Garlock GmbH
„Die Einhaltung der ATEX-Richtlinien für dynamische Dichtsysteme ist ein komplexes Thema, da die Dichtung nicht isoliert bewertet werden kann.“ Frank Sonnenschein, Produktmanager dynamische Dichtungen, Garlock GmbH