Richtig kleben will gelernt sein

Was von der Idee bis hin zum Produkt zu berücksichtigen ist (Bild: Fraunhofer IFAM)

13.11.2020 Richtig kleben will gelernt sein

Teil 8: Fertigung vorbereiten

von Professor Dr. Andreas Groß (Fraunhofer IFAM)

Kleben funktioniert, wenn man es richtig macht. Und „richtig machen“ bedeutet, alle relevanten Aspekte ganzheitlich zu berücksichtigen. Der Gliederung des Leitfadens „Kleben – aber richtig“ des IVK e.V. folgend, wird jeweils ein Aspekt der Klebtechnik (Bild 1) in den Mittelpunkt gestellt und unter drei Schwerpunkten beleuchtet – diesmal die „Vorbereitung der Fertigung“.

Ein Sprichwort besagt, dass „eine gute Vorbereitung 90 % des Erfolgs ausmacht“. Das gilt für das Kleben in seiner Interdisziplinarität und der damit verbundenen besonderen Vielschichtigkeit und Notwendigkeit der ganzheitlichen Betrachtung in der Anwendung allemal.

Welche Probleme entstehen in der Praxis, wenn die Fertigungsvorbereitung nicht fachgerecht erfolgt?

Die Fertigungsvorbereitung soll sicherstellen, dass der Fertigungsprozess auch so umgesetzt werden kann (und so umgesetzt wird!), dass die an das Produkt – genauso wie an den Prozess – gestellten Anforderungen reproduzierbar und wirtschaftlich erfüllt werden. Die eingangs angesprochene Vielschichtigkeit ergibt sich daraus, dass die der Klebtechnik innewohnenden Notwendigkeiten und die sich daraus resultierenden Vorgaben genauso erfüllt werden müssen wie Vorgaben des jeweiligen Kunden. Es gibt konstruktive Vorgaben genauso wie solche der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes und der Umweltsicherheit sowie gesetzliche Forderungen und auch betriebsinterne Vorgaben. Zur Fertigungsvorbereitung gehört es z.B., eine entsprechend der ermittelten Anforderungen an den Klebprozess geeignete Arbeitsumgebung zu schaffen, etwa durch Sicherstellung der notwendigen Umgebungsbedingungen, wie Temperatur, Luftfeuchte, Beleuchtung, Sauberkeit, Zugangsbeschränkung, Vermeidung von haftungs-/benetzungsstörenden Substanzen, Luftkontaminationen, Luftzug u.v.m.

Wie vermeidet der Anwender Probleme bei der Fertigungsvorbereitung am besten?

Als diesbezüglich sehr hilf- und erfolgreich haben sich Arbeitsanweisungen (AA) erwiesen. Ihre Entwicklung verlangt ein dezidiertes Durchdenken des gesamten Klebprozesses. Der Anwender muss für alle Materialien die Qualitätsspezifikationen festlegen und die korrekte und reproduzierbare Funktion ggf. eingesetzter Maschinen sicherstellen. Die Arbeitsanweisungen müssen dann genauso wie Korrektur- und Reparaturanweisungen freigegeben werden. Sie müssen exakt auf den jeweiligen Klebprozess (Anwendungsbereich AA) abgestimmt sein und mit Fertigungsbeginn in einer aktuellen Version (Revisionsstand, Datum) vorliegen. Allerdings können sie erst in der Fertigung validiert werden. Mindestens folgende Punkte müssen enthalten sein:

  • technische Merkmale/Voraussetzungen/Anwendung
  • Kleb-, Dicht- und Hilfsstoffe
  • spezielle Werkzeuge
  • Prozessbeschreibung
  • betriebliche Voraussetzungen

Darüber hinaus können

  • Hinweise zur Qualitätssicherung bzw.Prozesskontrolle,
  • Qualifikation des ausführenden Personals
  • Fehlerkorrektur,
  • Vorgaben einer Fertigungsdokumentation,
  • Zuordnung der zugrunde liegenden Planungsunterlagen, Arbeitssicherheit und Umweltschutz sowie Entsorgung ebenfalls Gegenstand einer Arbeitsanweisung sein.

Über welches Know-how sollten die am Klebprozess Beteiligten hinsichtlich der Fertigungsvorbereitung verfügen? 

Eine Fertigungsvorbereitung erfüllt natürlich nur dann ihren Sinn, wenn sie, exakt auf den jeweiligen Klebprozess ausgerichtet, inhaltlich umfassend entwickelt und anhand der entstehenden Erfahrungen kontinuierlich aktualisiert wird. Gleichzeitig aber müssen die aus der Fertigungsvorbereitung abgeleiteten Arbeitsanweisungen für die Zielgruppe im Betrieb, die ausführende Ebene mit nachweisbarer klebtechnischer Kompetenz, so verständlich geschrieben und nachvollziehbar sein, dass diese Betriebsmit­arbeiter*innen die Ausführung der Klebung anhand dieser Arbeitsanweisung fachgerecht nachvollziehen können. Die angesprochene „nachweisbare klebtechnische Kompetenz“, die die Fertigungsvorbereiter, genauso wie die Fertigungsausführer, zielgruppenorientiert mitbringen müssen, erleichtert zudem die Kommunikation ungemein und macht häufig erst einen inhaltlichen Austausch zwischen beiden genannten Gruppen hierarchie übergreifend möglich. Alles dient der Sicherstellung des korrekten und reproduzierbaren Fertigungsablaufs und dessen Überwachung.

Professor Dr. Andreas Groß,  Fraunhofer IFAM
„Eine Arbeitsanweisung ist kein statisches Dokument. Vielmehr wird sie immer wieder an die Praxiserfahrungen angepasst.“ Professor Dr. Andreas Groß, Fraunhofer IFAM