„Nicht groß schlägt klein, sondern schnell langsam.“

DIN 2304

04.06.2018 „Nicht groß schlägt klein, sondern schnell langsam.“

Die Umsetzung der DIN 2304 als Chance begreifen

von Thomas Stein (IMTS Interims Management Thomas Stein)

Erfolgreiche Klebeprojekte und die DIN 2304 lassen sich nur noch schwer trennen. Im Gespräch mit dem auf Klebetechnik spezialisierten Berater Thomas Stein, Inhaber der IMTS, wurde deutlich, warum das so ist.

Kleben ist die Fügetechnologie des 21. Jahrhunderts – das ist häufig zu lesen. Trotzdem bleiben immer noch Projekte hinter den Erwartungen zurück – woran liegt das?
Stein:
Dafür gibt es mehr als einen Grund. Resümieren wir einmal kurz persönliche Erfahrungen, die der eine oder andere mit der Verbindungstechnik „Kleben“ im privaten Bereich gemacht hat: Manche haben schon mal einen abgebrochenen Henkel an die geliebte Bürotasse geklebt und sich gewundert, dass dieser nach einigen Spülvorgängen im Geschirrspüler abgefallen ist, obwohl man doch einen „Alleskleber“ benutzt hat. Hier muss ich gleich mit einem Missverständnis aufräumen: Einen Alleskleber – also einen Klebstoff, mit dem man alle Substrate kleben kann, gibt es nicht. Auch das erneute Ankleben einer sich lösenden Schuhsohle ist ein schönes Beispiel. Dies geschieht meist, ohne die Klebeflächen zu reinigen und ohne den geforderten Anpressdruck, den ein Kontaktklebstoff nun einmal braucht. Das Ergebnis ist bekannt. Das sind nur zwei Beispiele, die aber die wichtigsten Problemstellungen aufgreifen: Die Auswahl eines ungeeigneten Klebstoffs („Alleskleber“), die Unkenntnis der späteren Belastungen mechanischer (volle Tasse vs. kleine Klebfläche), aber auch chemischer Art (Reinigungsmittel im Geschirrspüler) und nicht zuletzt thermischer Art (Trockentemperatur im Geschirrspüler). Weitere Probleme sind ein unzulänglicher Klebprozess – Klebflächen müssen einfach sauber sein – und ein unzulängliches Handling bis zur Reaktion bzw. Durchhärtung. Überträgt man das gedanklich auf das industrielle und gewerbliche  leben, ist klar, warum fast jeder über Klebverbindungen berichten kann, die versagt haben.

Gleichzeitig gibt es aber auch viele Anwender in Industrie und Handwerk, die seit Jahren und Jahrzehnten erfolgreich Kleben als Verbindungstechnik einsetzen. Was macht den Unterschied?
Stein:
Es gibt zwei Gruppen von Anwendern: Die erste Gruppe sieht Kleben als „notwendiges Übel“. Oft wird Kleben erst dann erwogen, wenn Schrauben, z.B. aus optischen Gründen, oder Schweißen, aufgrund der zu verbindenden Materialpaarungen, keine Option sind. Dass die Konstruktion dann oft nicht klebgerecht ist, macht es nicht einfacher. Die zweite Gruppe dagegen hat sich mit dem Kleben beschäftigt, klebgerecht konstruiert, den Prozess durchdacht und die Ausführenden, ja alle an der Entwicklung, Konstruktion und Durchführung beteiligten Mitarbeiter, geschult. Ganz so, wie es beim Schweißen üblich und seit Jahrzehnten selbstverständlich ist.

Die Ergebnisse der letzten ISGATEC-Umfrage zur Klebtechnik zeigen, dass etwa die Hälfte der Anwenderunternehmen die Kenntnisse ihrer Mitarbeiter für unzureichend halten, den Handlungsbedarf also kennen. Eine Veröffentlichung des Fraunhofer IFAM sagt, dass konservativ geschätzt 80% aller Klebfehler keine Klebstofffehler, sondern Fertigungsfehler sind. An anderer Stelle ist von 90% die Rede – damit wird klar, wo die „Baustelle“ ist. Wenn wir davon ausgehen, dass der für eine bestimmte Anwendung ausgesuchte Klebstoff ein Qualitätsprodukt ist, das bei fachgerechtem Einsatz eine Null-Fehler-Produktion ermöglicht, muss auf dem Weg zum fertig verklebten Endprodukt jede Anwenderfehler-Möglichkeit ausgeschlossen werden – das will die DIN 2304 erreichen.

Thomas Stein, Inhaber, IMTS
„Ich teile die Prognose von Professor A. Groß vom Fraunhofer IFAM, der sagt: „In zehn Jahren ist die DIN 2304 Standard.“ Thomas Stein, Inhaber, IMTS