Komplexität ist die zentrale Herausforderung

Klebtechnik spielt in vielen modernen Anwendung (Bild: KLEBTECHNIK Dr. Hartwig Lohse e.K.)

20.06.2016 Komplexität ist die zentrale Herausforderung

Die Bewertung der Möglichkeiten und der richtige Einsatz der Klebetechnik setzt viel Wissen voraus

von Dr. Hartwig Lohse (KLEBTECHNIK Dr. Hartwig Lohse e.K.)

Diese Technologie hat trotz ihrer rasanten Entwicklung immer noch ein beachtliches Potenzial in ganz  unterschiedlichen Bereichen. Im Fokus steht derzeit die prozesssichere Beherrschung dieser Technologie – ganz gleich, wie die Vielzahl von Klebstoffen aufgebracht wird. Der Wunsch nach wiederlösbaren  Klebverbindungen wird zwar immer wieder geäußert, marktreife Lösungen scheinen aber nicht in Sicht.

Obwohl die Klebtechnik in zahlreichen Anwendungen in den verschiedensten Industrien ihre Leistungsfähigkeit bewiesen hat, besteht bei vielen Ingenieuren eine  gewisse Skepsis oder Unsicherheit diesem Fügeverfahren gegenüber. Dies liegt sicherlich nicht an einer mangelnden Leistungsfähigkeit oder Qualität der am Markt verfügbaren Klebstoffe, sondern eher an der Vielzahl der verfügbaren Klebstofftechnologien mit der schier unüberschaubaren Zahl von Produkten. Zusammen mit der Komplexität der zu beachtenden Einflussparameter stellt dies bei der Auswahl des „richtigen“ Klebstoffs und der Implementierung eines  Klebprozesses in die Fertigung höchste Anforderungen an den Anwender. Dies belegt die vom NMI im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie: „Sicheres Kleben“ [1]. So lautet eine der acht Kernaussagen der Studie: „Kleben wird nicht überall sicher beherrscht“  und eine zweite: „Kleben wird häufig nicht durchgehend geplant“.

Unterstrichen werden diese Kernaussagen durch die sicherlich hinsichtlich des Prozentsatzes subjektive, aber im Prinzip von vielen Fachleuten geteilte Auffassung, dass mindestens 90% der auftretenden Klebfehler ihre Ursache in unzureichenden klebtechnischen Kenntnissen des Anwenders und nicht in fehlerhaft hergestellten Klebstoffen haben [2]. Mit der jüngst veröffentlichten DIN 2304-1 „Klebtechnik – Qualitätsanforderungen an Klebprozesse – Teil 1: Prozesskette Kleben [3]“ wird der in der DIN EN ISO 9001 allgemein beschriebene Weg der Fehlerprophylaxe über ein umfassendes QMS zur Beherrschung von Klebprozessen konkretisiert. Es steht zu erwarten, dass kundenseitig, sofern Klebprozesse bei der Teilefertigung zum Einsatz kommen, die Einhaltung dieser Norm zukünftig mehr und mehr gefordert und langfristig dadurch die Zahl von Klebfehlern deutlich verringert werden wird. Vielen mit der Klebtechnik bereits befassten oder an ihr interessierten Unternehmen fehlt es jedoch an Fachwissen und Erfahrung, um klebtechnische Projekte, auch unter Berücksichtigung der DIN 2304-1, erfolgreich umzusetzen. Entsprechend ausgebildetes Personal mit klebtechnischer Erfahrung steht auf dem Arbeitsmarkt praktisch nicht zur Verfügung und es fehlt oft sowohl an Know-how als auch an Zeit, eigenes Personal auszubilden. So ist es kein Wunder, dass sich viele Unternehmen bei klebtechnisch zu lösenden Fügeaufgaben nicht nur auf die vom Verkaufsziel geprägte und gemäß des potenziellen Umsatzvolumens priorisierte Unterstützung durch Klebstoffhersteller verlassen wollen, sondern sich mehr und mehr der Expertise von unabhängigen Beratern bedienen.

Dr. Hartwig Lohse, Inhaber, KLEBTECHNIK Dr. Hartwig Lohse e.K.
„Die derzeit beobachtete Zunahme an Anfragen zur klebtechnischen Beratung bezieht sich nicht nur auf neue Projekte bei ´Klebneulingen´, sondern auch auf den Wunsch ´alter Hasen´ nach einer zweiten Meinung, um ´Betriebsblindheit´ zu vermeiden.“ Dr. Hartwig Lohse, Inhaber, KLEBTECHNIK Dr. Hartwig Lohse e.K.