„Industriell genutzte Klebebänder  brauchen Influencer – in vielfacher Hinsicht“

(Bild: AdobeStock_Destina)

26.05.2021 „Industriell genutzte Klebebänder brauchen Influencer – in vielfacher Hinsicht“

Technologiewandel aus Sicht einer Klebtechnologie gestalten

von Dr. Evert Smit (Lohmann GmbH & Co. KG)

Die Chancen der industriell genutzten Klebebandtechnologie werden heute von vielen Anwendern noch nicht ausreichend erkannt und damit auch nicht entsprechend genutzt. Diese Einschätzung wurde von Dr. Evert Smit, Präsident der Afera, der European Adhesive Tape Association, im Gespräch bestätigt – ergänzt um den Hinweis, dass diese Technologie es allerdings trotz ihres Potenzials quer durch alle Branchen nur mit den „richtigen Influencern“ und einer veränderten Sichtweise auf Geschäftsprozesse schaffen werde.

Woran liegt es, dass industrielle Klebebänder nicht den Stellenwert haben, der ihnen eigentlich gebührt?

Smit: Das liegt u.a. am Konservatismus unserer Industrien. Alle, die traditionelle Befestigungs- und Klebanwendungen verwenden, neigen dazu, konservativ zu sein. Daher ist die Umstellung auf eine neue Technologie, die sie in den letzten 50 Jahren nicht genutzt haben, schwer einzuführen und umzusetzen. Dabei gibt es auch immer ein erhebliches Maß an Misstrauen gegenüber neuen Technologien. Man darf also nicht erwarten, dass sich industrielle Anwender:innen vorstellen können, dass es Materialien gibt, die präziser und stärker sind als der allen bekannte Klebe­film. Ein weiterer traditioneller Aspekt ist, dass das Zusammenkleben von Teilen als minderwertige Art der Reparatur eines Objekts angesehen wurde und wird. Das ist eine Denkweise, mit der wir aufräumen müssen.

Wie lange wird so eine Bewusstseinsver­änderung dauern?

Smit: Ich akzeptiere die Tatsache, dass es dauern wird, bis das Bewusstsein für die unzähligen Funktionen und Möglichkeiten von Klebebändern voll entwickelt ist. In einigen Schlüsselindustrien, wie z.B. der Automobilindustrie und dem Bauwesen, muss jedes verwendete Material und jede Komponente gemäß der strengen Anforderungen der Umwelt- und Sicherheitsbehörden sowie der Kunden spezifiziert werden. Dieser Prozess beruht auf einer systematischen Vorgehensweise, die regelmäßig Jahre in Anspruch nimmt. Man darf aber den Einfluss einzelner Menschen nicht unterschätzen: Was ich auf den Konferenzen des PSTC (Pressure Sensitive Tape Council of North America) gelernt habe, ist, dass Einzelpersonen in den USA darauf gedrängt haben, neue Klebebandtechnologien in bestimmten Anwendungen und Branchen einzuführen, und tatsächlich haben einige Unternehmen diese erfolgreich übernommen. Dabei handelte es sich allerdings nicht um Mitarbeiter:innen von  Herstellern, sondern um tatsächliche Klebe­bandanwender:innen. Und diese Influencer wiederum werden andere in weiteren Unternehmen davon überzeugen, das Gleiche zu tun. Unser Auftrag ist also klar: Wenn wir die Influencer erreichen, werden wir die Zeit verkürzen.

Dr. Evert Smit, Präsident der Afera, der European Adhesive Tape Association
„Das Potenzial von Klebebänder muss – in vielerlei Hinsicht – tief im Bewusstsein industrieller Anwender:innen verankert werden – und die Branche muss dazu neue Wege beschreiten.“ Dr. Evert Smit, Präsident der Afera, der European Adhesive Tape Association