Im Spannungsfeld von Kreislaufwirtschaft und Ökobilanz

Erfüllung sich wandelnder Anforderungen durch Werkstoffe (Bild: Fraunhofer IFAM)

29.10.2021 Im Spannungsfeld von Kreislaufwirtschaft und Ökobilanz

Eine Studie zur Klebtechnik

von Professor Dr. Andreas Groß (Fraunhofer IFAM), Professor Dr. Bernd Mayer (Fraunhofer IFAM), Dr. Katharina Haag (Fraunhofer IFAM)

Die Studie „Kreislaufwirtschaft und Klebtechnik“ beschreibt branchenübergreifend und umfassend die Rolle der Klebtechnik im Zusammenhang mit der Kreislaufwirtschaft und ordnet sie in die politischen Rahmenbedingungen aus globaler und europäischer Sicht ein. Dieses schließt ökobilanzrelevante Aspekte ein, die in geklebten Produkten erzeugt werden und über die Kreislaufwirtschaftswirksamkeit hinausgehen. Gleichzeitig stellt die Studie das technologische wie ökologische Leistungsvermögen der Klebtechnik dar - sowohl als Partner zur Erfüllung der Anforderungen einer Kreislaufwirtschaft als auch zur führenden Verbindungstechnik des 21. Jahrhunderts.

Der „European Green Deal“ (Bild 1) ist ein von der Europäischen Kommission vorgestelltes Konzept mit dem Ziel, dass sich Europa bis 2050 zum ersten klimaneutralen Kontinent entwickelt [1]. Dazu sollen bis 2050 in der Europäischen Union die Netto- Emissionen von Treibhausgasen auf null reduziert und der Green Deal zum zentralen Bestandteil der Klimapolitik der Europäischen Union werden. Der Plan soll auf sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Folgenabschätzungen beruhen und gleiche Wettbewerbsbedingungen gewährleisten sowie Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Erwerbstätigkeit fördern.

Der Strategie zur Kreislaufwirtschaft als Teil des Green Deals liegt in ihren grundsätzlichen Überlegungen die einfache Tatsache zugrunde, dass in dem geschlossenen System „Erde“, also in einer materiell endlichen Welt, die gängigen Produktionsverfahren, die in der Regel der „Linearwirtschaft“ (Bild 2 links) ohne wirklichen stofflichen Kreisschluss folgen, nicht unsere Zukunft gestalten. In absehbarer Zukunft werden die bislang genutzten fossilen, d.h. nicht regenerativen Ressourcen als Quellen aufgezehrt und die zur Verfügung stehenden Flächen zur Deponierung von Abfällen und Reststoffen aus der industriellen Produktion ausgeschöpft sein.

In diesem Zusammenhang soll der Kreislauf der jeweiligen Produktlebenszyklen geschlossen werden, von Produktion und Verbrauch bis zu Abfallentsorgung und zum Markt für Sekundärrohstoffe. Der Aktionsplan fokussiert vorrangig die u.g. Bereiche mit dem Ziel, den Übergang zur Kreislaufwirtschaft entlang deren Wertschöpfungskette zu beschleunigen:
• Elektronik und Informations- und Kommunikationstechnik
• Batterien und Fahrzeuge
• Verpackungen
• Kunststoffe
• Textilien
• Bauwesen und Gebäude
• Lebensmittel, Wasser und Nährstoffe

Im Gegensatz zur Linearwirtschaft ist daher die Kreislaufwirtschaft (Bild 2 rechts) ein regeneratives, erneuerbares System. In ihm werden der Einsatz von Ressourcen, die Produktion von Abfall und Emissionen sowie die Verschwendung von Energie minimiert. Erreicht wird dieses durch Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- wie Materialkreisläufen. Instrumente zur Umsetzung sind u.a. langlebige Konstruktionen, Instandhaltung, Sanierung, Reparatur(fähigkeit), Wiederverwendung, Wiederaufarbeitung und Wiederverwertung (Recycling) [4].