Die Werkstoffe sind gefordert

Dichtungen aus Silicon kommen immer öfter zum Einsatz (Bild: Wacker Chemie AG)

17.09.2018 Die Werkstoffe sind gefordert

Aktuelle Einschätzungen zu Entwicklungen und Trends bei Dichtungsrohstoffen und -mischungen

von Dr. Wolfgang Schattenmann (Wacker Chemie AG)

Viele Anforderungen an Dichtungen lassen sich oft nur noch werkstoffseitig lösen – und dies auch nur mit neuen Mischungen und Hochleistungswerkstoffen. Das Positive ist, dass für viele Fragestellungen Lösungen zur Verfügung stehen oder in Arbeit sind – ein Überblick.

Dichtungen müssen über die gesamte Lebenszeit viel aushalten: hohe Drücke, extreme Verformungen, Vibrationen, aggressive Medien, Hitze, starke Temperaturschwankungen – um nur einige Einflüsse zu nennen. In der Vergangenheit waren Standardkautschuke als Dichtungsmaterial hierfür völlig ausreichend. Hochleistungsdichtstoffe wie etwa Silicon kamen nur in Nischenanwendungen zum Einsatz. Doch in den letzten Jahren hat sich das Bild geändert. Angesichts stetig steigender technischer Anforderungen und Spezifikationen stoßen konventionelle Dichtstoffe aus EPDM oder anderen organischen Kautschuken zunehmend an ihre Grenzen. Nachhaltige Lösungen sind oft nur mit Hochleistungsdichtstoffen möglich.

Aus diesem Grund werden auch Silicone immer häufiger in Betracht gezogen. Mit ihren exzellenten mechanischen Eigenschaften sind sie eine echte Alternative, denn sie besitzen neben guter Elastizität und einem hohen Rückstellvermögen auch eine gute Hitze- und Medienbeständigkeit sowie exzellente Dämpfungseigenschaften, was in der Autoindustrie, in der Elektronik oder in der Medizintechnik immer wichtiger wird. Auch die Beständigkeit gegenüber heißem Wasserdampf ist inzwischen so gut, dass Silicondichtungen auch in solchen Anwendungen eine Alternative sind. Abgesehen von seinen guten Materialeigenschaften ist Silicon auch sehr ökonomisch zu verarbeiten. Dichtungen aus Flüssigsiliconkautschuk lassen sich kostengünstig in großen Serien herstellen, wobei auch sehr feinteilige Bauteile in hoher Präzision gefertigt werden können. Mit selbsthaftenden Flüssigsiliconen können wiederum Hart-Weich-Verbundbauteile effizient und ohne zusätzlichen Haftungsauftrag produziert werden. Die Silicondichtung wird während des Spritzgießens mit dem Bauteil verbunden, was die Montage vereinfacht und die Dichtigkeit nochmal deutlich verbessert. Auch was die mechanischen Eigenschaften betrifft, sind bei Siliconen noch Verbesserungen möglich. Mittlerweile gibt es Typen, deren Härte und Steifigkeit an die eines Thermo- bzw. Duroplasten heranreichen. Dadurch steht Ingenieuren und Herstellern von Hart-Weich-Verbundmaterialien ein Material zur Verfügung, mit dem sich auch neuartige und innovative Dichtungslösungen  entwickeln lassen.

Dr. Wolfgang Schattenmann, Director Rubber Solutions, WACKER SILICONES
„Viele Anforderungen an Dichtungen lassen sich nur mit Hochleistungswerkstoffen lösen und Silicon empfiehlt sich hier für immer mehr Fragestellungen.“ Dr. Wolfgang Schattenmann, Director Rubber Solutions, WACKER SILICONES