Da tut sich was

3D-Druck

20.06.2016 Da tut sich was

Der 3D-Druck hat viel Potenzial – auch für Dichtungen und Formteile

von Bernhard Langefeld (Roland Berger GmbH)

Möglichkeiten des 3D-Drucks beflügeln in vielen Bereichen den Geist. Dabei lohnt es sich, weit über den  Tellerrand der Dichtungstechnik zu blicken, denn diese Technologie eröffnet Potenziale über die gesamte Wertschöpfungskette und auch Erkenntnisse jenseits von Dichtungen und Formteilen liefern derzeit spannende Impulse.

Der Markt für Additive Manufacturing (3D-Druck) ist seit 2004 jährlich um durchschnittlich rund 20% gewachsen. Inzwischen hat die Technologie in den Bereichen Medizinprodukte, Luft- und Raumfahrt sowie Turbinenbau Serienreife erreicht. Entsprechende Lieferketten sind bereits im Aufbau. Auch für die kommenden Jahre ist ein jährliches Branchenwachstum von mehr als 30% zu erwarten. Einer der Gründe liegt im technologischen Innovationspotenzial, so das Ergebnis unserer neuen Studie „Additive Manufacturing – next generation“, für die wir vor allem die Technologieentwicklung sowie Innovationsaktivitäten verschiedenster Marktakteure analysiert haben.

Auch wenn Additive Manufacturing-Systeme derzeit noch weniger als 1% des gesamten Werkzeugmaschinenmarkts ausmachen, ist das Wachstumspotenzial der
Technologie erheblich. Darüber hinaus zeichnet sich deutlich ab, dass sich die Arbeit in den Entwicklungsabteilungen ändern wird. Unsere Studie fokussiert vor allem auf Innovationen und Trends in den Bereichen Software & Engineering, Anlagentechnologie, Material, Post Processing, Service und die Auswirkungen
auf Kosten, Marktwachstum sowie den Aktienmarkt. Die Studie beschreibt eine Vielzahl von neuen Technologien, Trends und Anwendungsfeldern des 3D-Drucks
und konstatiert, dass die Innovationsgeschwindigkeit in diesem Bereich hoch bleibt. Vor allem das Thema Software für die Konstruktion von komplexen  3D-Bauteilen wird immer wichtiger. Der Markt der entsprechenden Anbieter konsolidiert sich gerade, getrieben von den großen CAD-Playern. Auch bei der 3D-Druck-
Technologie selbst gibt es deutliche Fortschritte. So kann z.B. die Schmelze mittels Laser mittlerweile gezielt gesteuert werden, sodass Metalle mit besonderen mechanischen und elektromagnetischen Eigenschaften entstehen, die sonst in diesen Wandstärken nicht herstellbar wären. Durch Additive Manufacturing können so neue Materialien und Materialkombinationen geschaffen werden. Das bietet ein Innovationspotenzial für viele Branchen. Und in Verbindung mit der Digitalisierung und Industrie 4.0 ermöglicht der 3D-Druck komplett neue Produktionskonzepte: Studien der Anlagenhersteller zeigen, dass wir von vollautomatischen 3D-Fabriken nicht mehr weit entfernt sind.

Auf der Anbieterseite ist zu erwarten, dass die derzeitige Dominanz deutscher Anlagenhersteller gebrochen wird. Bis 2014 haben diese fast 70% der weltweit verkauften Additive Manufacturing-Systeme geliefert. Jetzt kommen neue Anbieter mit Innovationen auf den Markt. Gleichzeitig werden Technologiekomponenten, die vorher nur ein Hersteller von 3D-Druckern beherrschte, jetzt von Dritten angeboten. Mittelfristig wird dies zu fallenden Anlagenpreisen führen sowie den Innovationswettbewerb zwischen den Herstellern anheizen.

Bernhard Langefeld, Partner, Roland Berger
„Durch den 3D-Druck wird der Entwicklungsprozess mechanischer Bauteile dem von Software immer ähnlicher.“ Bernhard Langefeld, Partner, Roland Berger