Rohrdämmung nach dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Die Dämmung von Rohrleitungen ist eine der einfachsten und effizientesten Maßnahmen zur Energie-Einsparung in Gebäuden (Bild: Armacell)

11.09.2020 Rohrdämmung nach dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG)

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das zum 1. November in Kraft tritt, bringt wenig Neues und greift zu kurz. Dabei amortisiert sich richtiges Dämmen laut Armacell schnell.

Die Anforderungen zur Dämmung von Rohrleitungen wurden ohne wesentliche Änderungen aus der Energieeinsparverordnung (EnEV) übernommen. Damit bleibt das geforderte Dämmniveau für Kälteverteilungsleitungen raumlufttechnischer Anlagen auch weiterhin zu niedrig für eine effiziente Reduzierung der Wärmeverluste dieser energieintensiven Anlagen.

Rund drei Jahre stand das GEG nach der ersten Vorlage im Bundestag im Januar 2017 zur Debatte. Nach dem ersten Referentenentwurf von 2017 sollten alle im Gebäude verlegten Rohrleitungen einen längenbezogenen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,25 W/(m∙K) im Mittel nicht überschreiten. Diese Regelung hätte laut Zentralverband Sanitär Heizung Klima  (ZVSHK) zu einem hohen Planungsaufwand geführt, wäre für kleinere Bauvorhaben unrealistisch und die Umsetzung vor Ort kaum kontrollierbar gewesen. Der Verband forderte daher, die Regelung aus der EnEV 2014 ohne Verschärfung der Anforderungen, konkret: die Tabelle aus der Anlage 5 der EnEV in den Gesetzesentwurf zu übernehmen. Dieser Empfehlung ist der Gesetzgeber schließlich weitestgehend gefolgt. Wenngleich man die Tabelle 1 aus der Anlage 5 der EnEV im neuen Gebäudeenergiegesetz vergeblich sucht, wurden die Anforderungen in der Anlage 8 zu §§ 69, 70 und 71, Absatz 1 übernommen. In Abhängigkeit des Einsatzbereiches und des Rohrin­nendurchmessers ergeben sich die bekannten Dämmniveaus: 100%-Dämmung (1aa – dd), 50%-Dämmung (1ee und ff), Rohrdämmung im Fußbodenaufbau (1gg), 200-% Dämmung für an Außenluft grenzende Rohrleitungen (1hh)  und die Dämmung von Kälteverteilungs- und Kaltwasserleitungen von Raumlufttech­nik- und Klimakältesystemen (2).

Nachdem mit der EnEV 2007 erstmals auch die Klimatechnik in der Energie­einsparverordnung be­rücksichtigt und die Anforderungen in der EnEV 2009 konkretisiert wurden, fordern Unternehmen und Fachgremien wie die Fördergemeinschaft Dämmtechnik eine Erhöhung der geforderten Dämmdicke für Kälteverteilungsleitungen. Armacell hatte bereits 2009 festgestellt, dass eine Dämmdicke von 6 mm weder zur Verminde­rung der Energieverluste noch zur Vermeidung von Tauwasser ausreicht. Bei der Planung kältetechni­scher Anlagen sollten daher unbedingt größere Isolierstärken aus­geschrieben werden. Grundlage für die Berechnung opti­maler Dämmdicken bietet die VDI 2055, Blatt 1 „Wärme- und Kälteschutz von be­triebstechnischen Anlagen in der Industrie und in der Technischen Gebäude­ausrüstung“. Im Vergleich zur Heizung- und Warmwasserbereitung verlangt die Erzeugung tiefer Temperaturen in kältetechni­schen Anlagen einen bedeutend höheren Energie- und Kostenaufwand. Daher machen sich die etwas höhe­ren Investitionskosten für ein höheres Dämmniveau in diesem Anwendungsbereich sehr schnell bezahlt.

Für direkt an Außenluft grenzende Rohrleitungen fordert das GEG eine 200%-Dämmung. Darunter fallen auch Solarleitungen. Damit hat der Gesetzgeber den Hinweis des ZVSHK missachtet, bei der Festlegung der Dämmschichtdicke für diesen Anwendungsbereich die Realisierbarkeit beim Anschluss von Sonnenkollektoren zu berücksichtigen. Eine 200%-Dämmung ist im Anschluss- und Durchführungsbereich von Solarleitungen laut ZVSHK nicht einzuhalten. In der Tat werden vorgedämmte Solarleitungen heute mit einer maximalen Dämmschichtdicke von 100% angeboten, wie z.B. ArmaFlex DuoSolar e-Save. Nach dem GEG bleibt der Eigentümer bei fehlender Wirtschaftlichkeit von der Pflicht zur nachträglichen Dämmung befreit, ohne dass eine behördliche Prüfung nach § 101 erforderlich ist. Eine Befreiung setzt allerdings voraus, dass die Anforderungen im Einzelfall wegen besonderer Umstände durch einen unangemessenen Aufwand oder in sonstiger Weise zu einer unbilligen Härte führen. Eine unbillige Härte liegt nach § 102 insbesondere vor, „wenn die erforderlichen Aufwendungen innerhalb der üblichen Nutzungsdauer, bei Anforderungen an bestehende Gebäude innerhalb angemessener Frist durch die eintretenden Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können.“

Armacell weist darauf hin, dass trotz vorgeschriebener Dämmpflicht leider noch immer zahlreiche Heizungsanlagen bzw.-anlagenteile nicht oder nicht ausreichend gedämmt wer­den. Das führt zu hohen Energieverlusten und immer wieder zu Beschwerden und gerichtlichen Auseinandersetzungen. Bei den im GEG vorgeschriebenen Dämmdicken handelt es sich um gesetzliche Mindestanfor­derungen, die eingehalten werden müssen. Der zwingend erforderliche, schonendere Umgang mit Energieressourcen rechtfertigt Dämmschichtdicken, die weit über diese Mindestanforde­rungen hinausgehen. Die Dämmung von Rohrleitungen, Armaturen, Rohrschellen etc. amortisiert sich bereits nach wenigen Monaten, wie mithilfe der VDI 2055 sehr einfach nachgewiesen werden kann.