
Konturscharfe Bauteile mit Toleranzen im 1/100-mm-Bereich: Auf der Fakuma werden Dichtungen aus Flüssigsilikon für ein Wechselrichter-Bauteil gefertigt (Bild: Engel Austria GmbH)
22.09.2026 LSR und holmlose Maschine effektiv kombiniert
Grate von Hand entfernen, Werkzeuge mit ungleichmäßiger Schließkraft, unbemerkte Chargenschwankungen – das ist normaler LSR‑Alltag. Auf der Fakuma 2026 zeigt Engel, dass es auch anders geht: Die victory electric 1565/220 produziert live eine hochpräzise LSR-Dichtung – gratfrei, direkt aus der Maschine, ganz ohne Nacharbeit.
Für viele Verarbeiter von Flüssigsilikon (LSR) gehört Nacharbeit zur täglichen Praxis – besonders bei großen Bauteilen und entsprechend dimensionierten Werkzeugen, bei denen die Toleranzen im µ-Bereich liegen. Ungleichmäßiger Schließkraftaufbau führt zu Gratbildung, Viskositätsschwankungen zu Qualitätseinbußen und Stillstandszeiten. Auf der Fakuma produziert eine victory electric 1565/220 live eine hochpräzise LSR-Dichtung für ein Wechselrichter-Bauteil. Der Vorteil der holmlosen Bauweise liegt in der nahezu hundertprozentigen Plattenparallelität: Die Schließkraft wird nicht punktuell, sondern über die gesamte Werkzeugfläche gleichmäßig aufgebracht. Das Werkzeug bleibt dadurch während der gesamten Einspritzung dicht – entscheidend bei niedrigviskosem LSR, das kleinste Spalte sofort ausnutzt und sonst zu Gratbildung führt. Das Ergebnis: ein konturscharfes, maßhaltiges Bauteil, das direkt aus der Maschine verarbeitungsfertig ist – ganz ohne Nacharbeit. Die holmlose Bauweise schafft zudem Platz für weitere Prozessschritte auf kleinstmöglicher Produktionsfläche.
Für Verarbeiter, Werkzeugbauer und Endkunden bedeutet das:
- Weniger Ausschuss und Nacharbeit durch gratfreie Bauteile direkt aus der Maschin
- Höhere Prozesssicherheit bei funktionsrelevanten und dokumentationspflichtigen Teilen
- Alle bewährten victory-Vorteile – leichte Zugänglichkeit, einfache Wartung – auch für LSR nutzbar
Am Messestand entsteht eine 484 × 202 × 29 mm große LSR-Dichtung mit einer Zykluszeit von rund 70 s für ein Wechselrichter-Bauteil. Ihre Aufgabe: empfindliche Elektronik zuverlässig gegen Feuchtigkeit abdichten. Die Herausforderung liegt in der Maßhaltigkeit: Die Konturtoleranzen bewegen sich im 1/100-mm-Bereich. Das Werkzeug muss hierfür Toleranzen im 1/1.000-mm-Bereich einhalten. Verarbeitet wird ein LSR-2K-Werkstoff des Typs Shin-Etsu KEG 2003H-50 A/B.
Der Werkzeugpartner ACH Solution bringt ein Werkzeug mit Servoshot-Technologie ein – abgestimmt auf die besonderen Anforderungen von Flüssigsilikon: sehr gute Entlüftung mit Vakuumunterstützung, höchste Formgenauigkeit und Dichtigkeit sowie eine auf das Material abgestimmte Kavitätenoberfläche, um Anhaften zu vermeiden. Die Entnahme des noch heißen Bauteils übernimmt ein Engel viper 40 mit einem speziellen End-of-Arm-Tooling von ACH – vollautomatisch und beschädigungsfrei.
Ein integriertes Frühwarnsystem ist ein weiterer Baustein für die hohe Prozesssicherheit: die serienmäßige Drucküberwachung des Zuführdrucks der Dosieranlage (Pressure Transducer). Der Hintergrund: Viskositäts- oder Chargenschwankungen im Material führen häufig dazu, dass Bedienende den Druck der Dosieranlage manuell erhöhen – im schlimmsten Fall bis zum Stillstand der Anlage. Die eingesetzte Drucküberwachung schlägt bereits bei 50 bar Alarm und ermöglicht so ein präventives Eingreifen, bevor es so weit kommt. Ergänzt wird sie durch iQ weight control, um Viskositätsschwankungen und Ausschuss zu reduzieren.
Fakuma 2026: Halle A5, Stand 5203

