Metallummantelte Dichtungen

(Bild: Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)

30.09.2016 Metallummantelte Dichtungen

Dichtungskonzepte und ihre Grenzen – Teil 2

von Peter Thomsen (Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)

Es gibt bei Dichtungen technische Mittel und Wege, die auf den ersten Blick anscheinend die Lösung für ein Problem bieten. Auf den zweiten Blick und genauer betrachtet werden systembedingte Grenzen deutlich – und Probleme in der Praxis sind dann eigentlich vorprogrammiert. So lohnt es sich z.B. metallummantelte Dichtungen mit Auflagen DIN EN 1514- 7 und 12560-7 genauer zur betrachten.

Dichtungen mit Metallummantelung (Bild 1) haben speziell im Hochtemperaturbereich in südeuropäischen Ländern eine lange Tradition. Bestanden sie früher aus Asbest, der mit Metall – meist Kupfer – ummantelt  wurde, haben sie heute meist einen Kern aus  Grafit, Glimmer oder hitzebeständigen Faserwerkstoffen. In Mittel- und Nordeuropa sind diese Dichtungen eher selten – und das ist bei genauer Betrachtung auch gut so.  Denn im Vergleich zu den bei uns überwiegend eingesetzten Wellring- oder Kammprofildichtungen haben diese Dichtungen den gravierenden Nachteil, dass sie i.d.R. nicht die für die Anpassung an die Dichtflächen erforderlichen, sehr hohen Flächenpressungen erreichen. Auch die Verwendung weicher Metallummantelungen, z.B. aus Nickel und Kupfer, oder auch eine Wellprofilierung haben in Normflanschverbindungen aufgrund der relativ großen Dichtflächen nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht.

Also warum sollte man noch ein Wort über diese Dichtungen verlieren, die bei uns wenig eingesetzt werden und nur eingeschränkt funktionieren. Die Begründung liegt in der Normung, denn in der DIN EN 1514-7, Flansche und ihre Verbindungen – Dichtungen für Flansche mit PN-Bezeichnung – Teil 7: Metallummantelte Dichtungen mit Auflage für Stahlflansche, bzw. der DIN EN 12560-7, Flansche und ihre Verbindungen – Dichtungen für Flansche mit Class-Bezeichnung – Teil 7: Metallummantelte Dichtungen mit Auflage für Stahlflansche, wurden zwar die metall­ummantelten Dichtungen mit zusätzlicher Auflage aus expandiertem Grafit, unbehandeltem PTFE und expandiertem Vermiculit (Bild 2) genormt. Diese Auflagen ändern an den Funktionsgrenzen dieses Dichtungstyps wenig – dichtungstechnisch betrachtet, verhalten sie sich wie dünne Flachdichtungen aus den Auflagewerkstoffen und haben auch deren Leckageraten. Die Norm sagt aber, dass man sie einsetzen kann, auch wenn man es aus geschilderten Gründen nicht sollte. Für den „Dichtungsnichtfachmann“, der in der Praxis leider zu oft anzutreffen ist, entsteht damit eine trügerische Sicherheit. Es spricht also viel für die Tradition in Mittel- und Nordeuropa Wellring- und Kammprofildichtungen (Bild 3) einzusetzen. Sie sind nicht nur günstiger zu produzieren, sie liefern auch die besseren Dichtergebnisse – zum Schutze der Anlagen und Umwelt.

Bild 1: Metallumantelte Dichtung (Bild: Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)

Bild 1: Metallumantelte Dichtung (Bild: Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)

Bild 2: Genormte Ausführung einer metallummantelten Dichtung mit Auflage (Bild: Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)

Bild 2: Genormte Ausführung einer metallummantelten Dichtung mit Auflage (Bild: Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)

Bild 3: Wellringdichtung mit Auflage (Bild: Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)

Bild 3: Wellringdichtung mit Auflage (Bild: Lannewehr + Thomsen GmbH & Co. KG)