Im Brandfall über Leben und Tod entscheiden

Brände in Gebäuden fordern täglich Todesopfer und Verletzte (Bild:Armacell)

31.10.2017 Im Brandfall über Leben und Tod entscheiden

Geringe Rauchentwicklung im Fokus

von Michaela Störkmann (Armacell Deutschland)

Um die Geschwindigkeit der Brandausbreitung zu begrenzen, ist die Verwendung von brennbaren Bauprodukten in Gebäuden i.d.R. eingeschränkt. Es kann allerdings nicht komplett auf den Einsatz von Kunststoffen, wie z.B. auf Kabel oder synthetische Dämmstoffe, verzichtet werden. Der Beitrag brennbarer Bau-stoffe wird in Relation zum Gebäudeinhalt (z.B. zur Inneneinrichtung) jedoch häufig überbewertet und besitzt nur einen sehr geringen Anteil an der Brandlast. Aufgrund ihrer niedrigen Dichte enthalten Schaumstoffe zudem meist nur 2 bis 3 Volumenprozent brennbares Material und sind daher im Vergleich zu kompakten Materialien nur eine geringe Brandlast [1]. Trotzdem bleiben im Brandfalloft nur drei Minuten zur Flucht. Brandrauch breitet sich rasend schnell aus und blockiert Flucht- und Rettungswege. Technische Dämmstoffe mit einer geringen Rauchentwicklung tragen daher wesentlich zur Personensicherheit in Gebäuden bei.

In der Europäischen Union fallen täglich durchschnittlich elf Menschen dem Feuer zum Opfer (Bild 1). Das sind bei einer Bevölkerung von 505 Mio. in den 28 EU Mitgliedsstaaten rund 4.000 Brandopfer/Jahr. Über die Hälfte der Brände finden in Gebäuden oder Fahrzeugen statt und 90% der Todesopfer re-sul-tieren aus diesen Bränden.

Nur wenige werden allerdings Opfer der Flammen, die Mehrheit – 95% der Brandtoten – erliegen den Folgen einer Rauchvergiftung. Im Brandfall ist es für eingeschlossene Menschen und das Rettungspersonal daher lebensentscheidend, Rettungswege schnell zu finden. Das ist nur bei einer geringen Rauchentwicklung möglich.

Auch für die Industrie haben Brände fatale Folgen: Jeder dritte Brand führt nach Angaben der Versicherungswirtschaft zu Sachschäden von mehr als 500.000 €. Insgesamt entsteht in Europa jährlich ein Sachschaden von 126 Mrd. € durch Brände. Auch hier gilt: Rauchgase richten häufig einen größeren Schaden als das Feuer selbst an. Die Folgeschäden durch Ruß und korrosive Gase belaufen sich bei Großschäden auf über 50% der Gesamtkosten. Von den Folgekosten durch Betriebsausfälle ganz zu schweigen. Die Vermeidung von Schäden durch Rauch und Ruß an Sachwerten ist im Industriebau i.d.R. kein ausgewiesenes Schutzziel.