
Defekte Dichtungen verursachen nicht nur teure Maschinenstillstände (Bild: Benjamin Wessling)
26.10.2026 Der unbemerkte CO₂-Hebel
Wie optimierte Gleitringdichtungssysteme Energie- und Wasserressourcen in der Produktion einsparen
Gleitringdichtungen gehören zu den absoluten Schlüsselkomponenten in industriellen Anlagen mit rotierenden Wellen. Während sie in der betrieblichen Praxis meist primär unter den Aspekten der Leckagevermeidung und der reinen Funktionalität betrachtet werden, bleibt ihr enormer Einfluss auf die Ressourcen- und Energieeffizienz ganzer Produktionsstätten oft im Verborgenen. Chronische Problemmaschinen („Bad Actors“) binden nicht nur erhebliche personelle und finanzielle Kapazitäten durch wiederkehrende Reparaturzyklen, sondern erweisen sich bei genauerer Analyse als massive Treiber des betrieblichen CO₂- und Wasserfußabdrucks. Deshalb werden hier die tribologischen und anlagentechnischen Hebel zur Effizienzsteigerung im Dichtungsraum beleuchtet. Denn es zeigt sich in der Praxis, dass durch den gezielten Einsatz moderner Werkstoffpaarungen mit optimierten Notlaufeigenschaften sowie durch den Umstieg von offenen Spülungen auf geschlossene Kreislaufsysteme signifikante Ressourcenmengen eingespart werden können. Auch die Analyse des strukturellen Budgetierungs-Dilemmas, welches notwendige Optimierungen in der industriellen Realität allzu oft blockiert, lohnt einen Blick.
Das unsichtbare Herzstück im Fokus der Dekarbonisierung
In der modernen Prozessindustrie sind Pumpen, Rührwerke und Kompressoren das mechanische Rückgrat der Produktion. Tief im Inneren dieser Aggregate verrichtet eine Komponente ihren Dienst, die physisch klein ist, deren technologisches Versagen jedoch ganze Produktionslinien zum Stillstand bringen kann: die Gleitringdichtung (Bild 1).
Als dynamisches Dichtsystem ist es ihre elementare Aufgabe, das Gehäuse sicher zur rotierenden Welle abzudichten und das Austreten von Medien in die Atmosphäre oder das Eindringen von Umgebungsmedien in den Prozess zuverlässig zu verhindern. Die technologischen Anforderungen sind dabei monumental. Gleitringdichtungen widerstehen im industriellen Alltag Extrembedingungen mit Temperaturen von bis zu 450 °C, Drücken von bis zu 500 bar und Wellendrehzahlen von bis zu 150.000 min⁻¹

