Ökobilanz von drei Beschichtungsverfahren im Vergleich (Bild: Freundenberg Sealing Technologies)
30.04.2026 Adhäsives Beschichtungsverfahren ohne Nasschemie
Lassen sich Beschichtungsverfahren so gestalten, dass sie ohne Nasschemie auskommen? Ja. Mit FACT etabliert Freudenberg Sealing Technologies einen neuen, kosteneffizienten und nachhaltigen Fertigungsprozess.
Mit Freudenberg Adhesive Clean Technology – FACT – stellt das Unternehmen ein neues Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Metallteilen vor. Dieses adhäsive Beschichtungsverfahren ermöglicht Verbindungen zwischen Elastomeren und Trägerteilen aus Eisenmetall, Nichteisenmetall und einer Vielzahl an Kunststoffen. Dabei zeichnet sich dieser vollautomatisierte Fertigungsprozess vor allem durch seine ressourcenschonende Effizienz und seine Designfreiheit aus. Denn die Werkstoffe lassen sich unabhängig von ihren Schichtdicken und Funktionsflächen beschichten. Dabei schaffen eine uneingeschränkte Schweißbarkeit, elektrische Leitfähigkeit und die Beständigkeit gegen AdBlue™ und weitere Medien eine Vielzahl neuer Einsatzfelder. Mit diesem Verfahren können die Oberflächen der Komponenten ohne das Verwenden von Löse- oder Bindemitteln auf mikroskopischer Ebene dauerhaft modifiziert werden. Anschließend sind sie bereit für die Vulkanisierung oder die Anbindung von Elastomeren. Dadurch ergibt sich ein weiterer Pluspunkt dieser neuen Technologie: Die gesteigerte Fertigungseffizienz reduziert auf Kundenseite die Total Cost of Ownership (TCO).
Bisher war der Einsatz von Nasschemie für die Beschichtung von Metallteilen unerlässlich. Deshalb wurde das Thema gemeinsam mit der Konzernschwester Freudenberg Technology Innovation vorangetrieben. Inzwischen hat sich die intensive Forschungsarbeit bewährt und die Marktreife wurde erlangt. Mit FACT werden die Umweltwirkungen des Beschichtungsverfahrens deutlich reduziert. Wichtig für die Ökobilanz der Produkte ist der Verzicht auf den Einsatz von Lösemitteln, die bisher bei den Werkstoff-Rezepten erforderlich waren. Auch die bis zu mehr als 90% lösemittelhaltigen Bindemittel sind nun nicht mehr erforderlich. Damit wird eine Vielzahl potenziell gesundheits- und umweltgefährdender Stoffe verzichtbar.
Durch das Einsparen dieser Verfahrensschritte verringern sich die eingesetzten Stoff- und Energieverbräuche des Vorbehandlungsprozesses erheblich und das wiederum schlägt sich in einem deutlich geringeren CO2-Fußabdruck der Produktlinie nieder. In einer Ökobilanz wurden die CO2-Emissionen eines Referenz-Prozesses für drei Beschichtungsverfahren getestet. Das emissionsintensivste Nasschemie-Verfahren wurde als 100% Referenzwert genommen. Ein Vergleichsprozess mit einem anderen Bindemittel verursachte 65,2% der Referenz-Emissionen. Mit FACT gelingt es, die CO2-Emissionen auf 1,1% des Referenzwertes zu reduzieren. Außerdem wird durch jeden Prozessschritt, der eingespart wird, auch die Anzahl der Fehlerpotenziale für den gesamten Fertigungsprozess verringert. Mit Blick auf die Lieferkette bietet das neue Verfahren den zusätzlichen Vorteil, dass die benötigten Komponenten frei am Markt erhältlich sind und somit keine Abhängigkeit von einem einzigen Hersteller besteht.
Durch seine Medienbeständigkeit gegen Öle, Wasser, Wasserstoff (H2) und AdBlue™ erlaubt das Beschichtungsverfahren den Einsatz von Elastomeren in Kombinationen mit Metallen und Kunststoffen, die bisher nicht möglich waren. Dabei bleibt die Haftung und Flexibilität der beschichteten Metallträger auch bei hohen Belastungen und bei Temperaturen bis -40 °C erhalten, ohne dass sich Mikrorisse bilden. Zudem stellt eine Online-Prozessüberwachung die Rückverfolgbarkeit und Qualität der gefertigten Komponenten sicher. Mit diesem Verfahren ergibt sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten, die viele motorisierte Antriebs- und Energiespeichersysteme auf den Straßen, auf See und in der Luftfahrt umfasst. Auch der Einsatz in Akku-Technologien – z.B. in E-Bikes – ist jetzt realisierbar.
