Warum Desktop-FDM-3D-Drucker zunehmend zum Innovationskiller werden

(Bild: 3D-Industrie GmbH)

10.03.2026 Warum Desktop-FDM-3D-Drucker zunehmend zum Innovationskiller werden

von Johannes Lutz (3D Industrie GmbH)

Unternehmen, die Desktop-FDM-3D-Drucker der verschiedensten Hersteller nutzen, glauben, dass sie alles im Griff haben.

Der Drucker läuft, Bauteile für Prototypen stellt man selbst her und die Investition hat sich gelohnt. Doch was passiert, wenn die Anforderungen wachsen? Serienfertigung, komplexe Geometrien, echte Funktionsintegration. Plötzlich stößt man an Grenzen und bleibt bewußt oder unbewußt hängen. Das führt zu einer bitteren Wahrheit: FDM ist bequem geworden! Doch Bequemlichkeit ist heute einer der größten Innovationskiller und führt zu Grenzen, die nicht erkannt werden.

Ich will damit gar nicht sagen, dass Desktop- FDM schlecht ist. Das Verfahren hat in der Vergangenheit viele Unternehmen ohne große Hürden von Null zu den ersten Bauteilen gebracht. Die liegen aber – sind wir ehrlich – heute meistens in einem Regal – irgendwo bei den anderen Druckern, Prototypen, Musterteilen und ersten Betriebshilfsmitteln. Was ist passiert? Ein anfänglich für Privatanwendende konzipiertes Gerät wurde zur „Fertigungsmaschine“ in der Konstruktionsabteilung. Das war bequem und die Kosten lagen oft unter 2.500 € für einen Drucker.

Warum ist die FDM-Bequemlichkeit aber heute so gefährlich? Es sind die Grenzen dieses Verfahrens und damit die fehlenden Antworten auf Fragen wie:

  • Hält das Bauteil auch mit dem „günstigen“ Material des Herstellers für die Serie?
  • Wie konstruiert man das Bauteil für so eine Anwendung, wenn wir in Serie gehen?
  • Wir brauchen ein besseres Material als PLA, aber welches?
  • Wie würde das Bauteil per SLS gedruckt aussehen und was muss man dort beachten?

Bei schwierigen Fragen und fehlenden Antworten, beobachte ich in der Praxis immer wieder den Reflex: „Ach komm – FDM haben wir, dann bleibt es halt dabei, warum also weiter nach einer anderen Lösung suchen?“ Der Innovationskiller wird also weiter gefüttert, wenn der eigene Drucker der Maßstab aller Dinge ist. Also fertigt man auch nur Teile,

  • die man sich traut zu fertigen, weil der Drucker eben im Haus ist. Bauteile mit Kanälen, längeren Überhängen, Sichtflächen, an denen man dann Stückstruktur sehen könnte, druckt man gar nicht erst,
  • die von der Größe her in den Drucker passen,
  • bei denen man sich sicher ist, „das wird etwas“, und man sich nicht mit Fehlersuche (Warping, Layershifting, Lösen von der Bauplattform usw.) beschäftigen muss.

Dass es genügend Anwendungen für Funktionsteile und kleine Serienteile gäbe, spielt keine Rolle.

Ein weiterer Grund ist, dass andere Technologien – wie z.B. SLS – bereits „probiert“ wurden – meist jedoch ohne Kontext und ohne Beratung. Das Ergebnis ist dann meist enttäuschend, auch weil man FDM-Maßstäbe an eine völlig andere Technologie angelegt hat.

Ein Systemwechsel muss aber keine Grenze sein und er kann problemlos klappen. Der „Sprung ins Pulverbett“ und raus aus der Gewohnheit ist kein Sprung ins Ungewisse. Es ist wie der Wechsel vom 3-Sterne-Hotel ins Luxushotel. Auch hier weiß man, dass man mehr Möglichkeiten hat – man darf und muss nur seine Erwartungen neu kalibrieren. Das Pulverbett öffnet ein neues Innovationsfenster: Mehr Anwendungen, mehr Freiheit, mehr Serienfähigkeit. Das Beste daran ist, es geht einfacher, als viele denken – wenn man die richtigen Schritte kennt und geht. Diese fünf Grundvoraussetzungen sind dafür notwendig:

  • offen sein für die neue Technologie – ohne Vorurteile,
  • erfahrenen Beratern und/oder Dienstleistern vertrauen – bekannte Stolpersteine bringen einen dann nicht zu Fall und bremsen nicht den Enthusiasmus,
  • den Musterdruck in enger Abstimmung mit allen relevanten Beteiligten starten,
  • testen, Feedback geben, lernen – der Prozess ist der Hebel,
  • erst dann kommt die nächste Stufe – Serienbauteile mit Pulverbett.

Ein kleiner Beleg , dass es klappt? In Beratungen zu diesem Thema sieht man, dass der Stein nach zwei bis drei Anwendungen ins Rollen kommt. Unternehmen aus dem Gehäuse- und Dichtungsbereich haben durch den Wechsel zu SLS Bauteile hergestellt, die vorher unmöglich schienen. Entscheidend dafür waren: Offenheit und die Bereitschaft, sich an die Hand nehmen zu lassen. Bei einem Technologiewechsel greift eine Standardschulung zu kurz. Hier hilft nur ein Weiterentwicklungsprogramm mit dem Ziel, Funktions- und Serienteile herzustellen.

Johannes Lutz, Geschäftsführer, 3D Industrie GmbH
„Wer schon länger vom SLS-3D-Druck träumt, aber nur einen Desktop FDM-3D-Drucker hat, sollte überlegen, wie viele Innovationen verhindert werden, wenn man diesen Schritt nicht geht.“ Johannes Lutz, Geschäftsführer, 3D Industrie GmbH

Lösungspartner

3D Industrie GmbH
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Zielgruppen

Einkauf, Konstruktion & Entwicklung