
Brennverhalten (vertikal) am Beispiel von ISO-PUR® A785 (Bild: ISO-ELEKTRA GmbH)
26.10.2026 Selbstverlöschende Polyurethan-Gießharze
Einfluss des Härters auf die Eigenschaften
Mit zunehmender Miniaturisierung elektronischer Baugruppen steigen die Anforderungen an Vergussmaterialien kontinuierlich. Neben mechanischem Schutz und elektrischer Isolation rücken heute vor allem Flammschutz, selbstverlöschende Eigenschaften und effizientes Wärmemanagement in den Fokus. In den meisten Fällen werden diese Eigenschaften in Elektrovergussmassen durch entsprechende Ausrüstung oder Modifikation der Harzkomponente erzielt. Ein oft unterschätzter Einflussfaktor ist dabei die Härterkomponente in Polyurethan-Gießharzen: Sie wird meist nicht additiviert oder mit flammhemmenden Füllstoffen versehen. Lässt sich der Härter also frei wählen oder austauschen, ohne die Flammschutzeigenschaften des Systems zu verändern?
Brandverhalten und normative Anforderungen
Das Brandverhalten von Gießharzen wird maßgeblich durch etablierte Prüfverfahren bewertet. Zentral ist dabei die Klassifizierung nach UL94 (entspricht DIN EN 60695-11/20). Hierbei werden fünf Prüfkörper eines Materials getestet und nach den verwendeten Einstufungen horizontal nach HB und vertikal nach V2, V1 und V0 eingestuft. Die stringenteste Einstufung ist hier V0. Sie beschreibt Materialien, die nach der initialen und einer darauffolgenden zweiten Beflammung schnell selbst verlöschen (< 10 s im Einzelfall und < 50 s in der Summe) und dabei kein brennendes Abtropfen zeigen. Einen Überblick hierzu geben Bild 1, 2 und Tab. 1.
Weitere Prüfungen, die ein umfassenderes Bild des Verhaltens eines Materials unter brandauslösenden Umständen bzw. der Materialeigenschaften geben, die einem Entflammen entgegenwirken können, sind:
- HWI (Hot Wire Ignition) – Verhalten bei Glühdrahtprüfung
- HAI (High Arc Ignition) – Verhalten unter Lichtbogenbeanspruchung
- CTI (Comparative Tracking Index) – Widerstand gegen Kriechströme

