Prozesssicherheit durch intelligente Entgasung

Halbautomatische Vakuumstation für die luftfreie Abfüllung von 200-l-Deckelfässern, die sich für viele verschiedene pastöse und hochviskose Medien nutzen lässt und auch auf andere Gebindegrößen auslegt werden kann (Bild: Tartler GmbH)

01.11.2018 Prozesssicherheit durch intelligente Entgasung

Neue Automationslösungen optimieren die Ab- und Umfüllung hochviskoser Medien

von Udo Tartler (TARTLER GmbH)

Neue Vakuumlösungen senken die Kosten und erhöhen die Sicherheit bei der automatisierten Abfüllung und Förderung hochviskoser Medien aus Deckelfässern. Beispiele sind ein Fasswechselsystem für Anwender in der Dosier- und Mischtechnik sowie ein Fassabfüllsystem für Materialhersteller oder zur Vakuum-Abfüllung beim Kunden. Beide Systeme lassen sich branchen­übergreifend einsetzen und basieren auf der Integration eines intelligenten Entgasungssystems.

Zu Beginn waren es vor allem industrielle Anwender im Bereich der Kunstharz-Verarbeitung, die an der Entwicklung des neuen Fasswechselsystems interessiert waren. Mittlerweile setzen aber auch Anwender in vielen anderen Branchen der Fluidtechnik – etwa in der Dichtungs- und Klebstofftechnik sowie in der Verarbeitung hochviskoser Fette – diese vakuumtechnische Systemlösung ein. Der Grund dafür ist einfach nachzuvollziehen: Wann immer in Industriebetrieben hochviskose, pastöse Medien aus den weitverbreiteten 50-l- und 200-l-Spannring-Deckelfässern (Bild 1) zu verarbeiten sind, bietet ein solches Fasswechsel-System aufgrund seiner vollautomatischen Entlüftung bzw. Entgasung einen deutlich reduzierten Aufwand für das Material-Handling, eine verbesserten Ergonomie und einen erhöhten Sicherheitsstandard.

Problematische Luftkammern 

In vielen Bereichen, in denen heute Kunstharze dosiert und gemischt werden müssen, erfolgt die Förderung der hochviskosen Materialien meist aus Deckelfässern mithilfe von Pumpen, die auf Fassfolgeplatten montiert sind, die in der Höhe beweglich sind. Zur Entnahme der pastösen Fluide werden diese zur Wandung des Blechfasses hin abgedichteten Platten von oben auf das Medium gepresst oder sinken durch ihr Eigengewicht während der Entleerung nach unten. Hierbei zeigt sich jedoch immer wieder die gleiche Problematik: Weil die angelieferten Deckelfässer nicht bis zum oberen Rand gefüllt werden können, befindet sich oberhalb der Materialoberfläche Luft im Fass. Um nun aber der prozesstechnischen Anforderung gerecht zu werden, dass bei dem Routinevorgang eines Wechsels bzw. Austauschs eines Fasses in der Dosier- und Mischanlage auf keinen Fall Luft mit in die Förder- bzw. Dosierpumpe einströmt, wird diese meist mithilfe pneumatischer, elektrischer oder manueller Entlüftungseinrichtungen abgeführt. Hierbei handelt es sich vielfach um suboptimale Lösungen, bei denen u.a. das latente Risiko besteht, dass sich vom vorherigen Fasswechsel noch Materialreste in der Entlüftungseinrichtung befinden, die dann beim Entweichen der Luft nach außen spritzen. Gleichzeitig kann es dabei zum raschen Absacken der Folgeplatte kommen. Abgesehen davon, dass das Entlüftungssystem oft noch per Hand von störendem Restmaterial befreit werden muss, hat der Maschinenbediener ein ständiges Verletzungs- und Verschmutzungsrisiko (Spritzgefahr). Mit anderen Worten: Die bisher weitverbreiteten Probleme bei der Entgasung der Deckelfässer beeinträchtigen die Prozesssicherheit, setzen die Bediener der Anlagen einem Gesundheitsrisiko aus und verursachen darüber hinaus auch teure Materialverluste.