Lochverschluss durch Klebepads und Robotertechnik

Bild 1: Bei manchen Modellen hat eine Karosserie bis zu 200 Löcher, die sich besser mit Klebepads (weiß) als mit Stopfen verschließen lassen (Bild: tesa SE)

09.09.2021 Lochverschluss durch Klebepads und Robotertechnik

Kleben an der Karosserie – Verbindungen mit Zusatzfunktion

von Dr. Jennifer Kipke (tesa SE), Gunnar von der Geest (tesa SE)

Nieten, Schweißen, Schrauben – und Stopfen: Dies waren jahrzehntelang bewährte Arbeitstechniken der Autobauer. Nicht zuletzt aufgrund der automobilen Transformation und von „Industrie 4.0“ rückt die Klebtechnologie in den Vordergrund. Hightech-Klebebänder haben dabei viele Vorteile: Sie sind leicht, flexibel, schnell zu verarbeiten, müssen nicht aushärten – und übernehmen zudem als Multitalente zahlreiche Zusatzfunktionen.

10 Mrd. Löcher werden laut Automobil-Experten pro Jahr in Autokarosserien geschlossen. Häufig erfolgt dies immer noch in Handarbeit mit sperrigen Stopfen aus Kunststoff – ein überaus zeit-, kraft- und personalintensiver Vorgang. Die Alternative sind Klebepads, die ein Roboter schnell und zuverlässig appliziert. Inzwischen ist diese Technologie in der Praxis angekommen. So werden seit Kurzem u.a. die produktionsbedingten Löcher in der Karosserie des E-Mobils Porsche Taycan komplett robotergesteuert mit Klebepads von tesa verschlossen. Bild 1 zeigt, dass eine solche Autokarosserie in der Fertigungshalle wie ein Schweizer Käse aussieht. Doch wo kommen die vielen Löcher her – bei manchen Modellen sind es mehr als 200 – und welche Funktion haben sie? Einige Öffnungen ermöglichen die Montage schwer zugänglicher Bauteile oder dienen Transportzwecken. Größtenteils werden die Löcher im E-Coat-Lackierprozess benötigt, damit der Lack überall hin- und wieder abfließen und somit ein lückenloser Korrosionsschutz gewährleistet werden kann. Damit aber beim fertigen Neuwagen weder Feuchtigkeit noch Schmutz in die Karosserie-Hohlräume eindringen können und der Fahrtwind keine Geräusche durch Luftverwirbelungen verursacht, müssen die Öffnungen wieder verschlossen werden.

Der „Porsche Sportstromer“ ist das erste Fahrzeug weltweit, bei dem dieses automatisierte Verfahren zum Einsatz kommt. Der Automobilhersteller hatte das große Potenzial der Klebepads frühzeitig erkannt. Schon im Juli 2020 wurden mehr als zwei Drittel der rd. 150 Stopfen in der Lackiererei dieses Modells abgeschafft. Zum Sommer 2021 ist auch die Lackiererei im Werk Leipzig auf das automatisierte Verfahren umgestellt worden.