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10.03.2026 Kleben und Goethes „Faust“
Das Werk war ja mal ein Klassiker für die Suche nach Wissen – in diesem Fall „universellem“ Wissen. Hier wird u.a. – umgangssprachlich – die Schlüsselfrage gestellt: „Wann hast du ausgelernt?“.
Auch heute spricht man nicht nur beim Kleben von „lebenslangem Lernen“ und klar ist, „ausgelernt“ im Sinne des Wortes hatte man zu keiner Zeit. Das Zitat: „Zwar weiß ich viel, doch möcht ich alles wissen“, sagt Student Wagner beim Besuch von Faust. In der Rezeption wird es oft als Ausdruck des unstillbaren menschlichen Erkenntnisdrangs verstanden – kurz: Viel Wissen zu besitzen, führt zwar nicht zu Zufriedenheit, weckt aber noch mehr die Neugier. Die ist auch beim Kleben wichtig, denn diese Technologie befindet sich immer noch in einer dynamischen Entwicklung.
Recht hatte er, der Dr. Faust, denn lebenslanges Lernen ist heute mehr denn je ein Muss für den Beruf. In der Arbeitswelt verändert sich fast alles ständig: Neue Technologien, neue Arbeitsmethoden und neue Anforderungen an Fachkräfte prägen die Berufswelt. Früher konnte man sein ganzes Leben lang mit dem Wissen aus der Ausbildung oder dem Studium und der dann gewonnenen Erfahrung erfolgreich sein. Heute ist das unmöglich. Aus dieser Sicht ist „lebenslanges Lernen“ eine unverzichtbare Voraussetzung, um beruflich erfolgreich und zukunftsfähig zu bleiben.
Und das passt gut zu dem, was ich als Antworten auf die Frage: „Sie kleben seit vielen Jahren, warum sind Sie hier?“ von Teilnehmenden eines EAS-Refreshers bekam. Die erste – und auch zu erwartende – Antwort war: „Weil ich wieder diesen Kurs besuchen muss, um meinen Status zu behalten“. Nachvollziehbar, denn alle ausgebildeten Klebstoffspezialist:innen müssen regelmäßig an solchen Refreshern teilnehmen. Aber die Antwort kam nur einmal und jetzt wird es spannend: Andere antworteten: „Ich will mich auf dem Laufenden halten“, „Wissen muss man auffrischen, damit es aktuell bleibt“, „ich will mein Wissen auffrischen, denn Wissen ist nicht für die Ewigkeit“ folgen den Faustschen Motiven. Die, die so antworteten, haben verstanden: Um in der heutigen Berufswelt erfolgreich zu werden und bleiben zu können, muss man ständig dazulernen. Deshalb gibt es ja z.B. solche Kurse, die es einem noch dazu recht einfach machen, auf dem Laufenden zu bleiben. Das geht heute auch „ohne einen Pakt mit dem Teufel“.
Besonders beeindruckt hat mich, dass ich dies von Klebexperten, ja Klebveteranen hörte, also von Branchenkollegen, die ich seit Jahrzehnten kenne, weil sie sich schon so lange erfolgreich in der Welt des Klebens bewegen. „Ja, auch sie wollen wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält“ – übrigens ein weiteres Zitat aus dem Mund von Dr. Faust. Der Anspruch ist also nicht neu, auch wenn er beim Kleben eine neue Dimension erhält.
Persönliches Wissensmanagement ist dabei durchaus eine Herausforderung. KI erleichtert es vordergründig, aber eben nur vordergründig. Ausbildungen zum EAB, EAS oder EAE sorgen mit ihren Auffrischungen u.a. für die notwendige Expertise, um die Vielzahl an Informationen, wo auch immer sie herkommen, richtig einzuordnen. Das ist heute wichtiger denn je, denn nur wer Neues lernt, bleibt offen für Veränderungen und entwickelt ein tieferes Verständnis für sich – und in diesem Fall für die Welt des Klebens. Ohne Wissen aus verlässlichen Quellen können diese Veränderungen aber nicht eingeordnet werden. Ein Faust´scher Pakt mit dem Teufel ist heute zum Glück nicht mehr nötig, um zum Innersten des Klebens und seinen Veränderungen vorzustoßen. Hier schließt man den Pakt mit sich selbst und so wird Lernen zu einem lebensbegleitenden Prozess der persönlichen Entwicklung und damit zur Chance oder auch zur Einladung, das eigene Potenzial immer wieder neu zu entdecken und zu entfalten.
„Kleben lernen und Up-to-date bleiben ist heute easy und funktioniert ohne Pakt mit dem Teufel.“ Thomas Stein, Inhaber, IMTS Interims Management
