Kein Schmierungsproblem

Probleme mit den Rollgangsrollen beeinträchtigten immer wieder mal die Stahlproduktion (Bild: U.S. Steel )

31.03.2018 Kein Schmierungsproblem

Neue Dichtungen lassen Rollgangsrollen laufen

von Christian Kogler (SKF Sealing Solutions Austria GmbH)

Der Erfolg der U.S. Steel Corporation – einem der Top 500-Unternehmen der Welt – basiert u.a. auf reibungslosen Produktionsprozessen. Allerdings „streikten“ im Werk Granite City immer wieder mal die Rollgangsrollen. Was zunächst nach einem Schmierungsproblem aussah, erwies sich bald als Dichtungsproblem.

In diesem Werk  (Bild 1) kam es oft zu vorzeitigen Lagerausfällen in den Rollgängen der Warmbreitbandstraße: Über einen Zeitraum von 16 Jahren ließen sich 30% aller Probleme mit den Rollgangsrollen auf deren Lagerung zurückführen. In den vergangenen drei Jahren hatten die Ausfälle sogar so zugenommen, dass sie nunmehr die Hälfte dieser Störungen verursachten. Um dem entgegenzuwirken, pumpte U.S. Steel – gemäß der gängigen Praxis – zunächst mehr Schmierfett in die Lagergehäuse. Dadurch verschlimmerte sich das Problem allerdings noch (Bild 2). Daraufhin beauftragte der Stahlhersteller SKF als strategischen Partner, Möglichkeiten für eine höhere Zuverlässigkeit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu ermitteln. Dabei entschieden sich die Unternehmen zu einer ebenso konsequenten wie strukturierten Vorgehensweise, um der wahren Ursache für die Lagerausfälle auf den Grund zu gehen: 18 Monate lang sammelte ein gemeinsames Team detaillierte Informationen. Im Zuge ihrer Untersuchungen prüften die Spezialisten jede Rollenkomponente – von der Welle über das Lager und das Lagergehäuse bis hin zu Dichtungen und dem Schmiersystem. Außerdem stellte die „Task Force“ im Werk diverse Wartungsdaten zusammen, z.B. in Sachen „Schmierungsprozedere“ oder auch „Wirksamkeit des Dichtungssystems“. Erste Erkenntnisse: Schiefstellungen beim Lager-Einbau und starke Verunreinigungen begünstigten die Ausfälle.

Also machte man sich daran, die Einbau- und Instandhaltungsverfahren zu verbessern. Darüber hinaus befasste man sich auch mit einer möglichen neuen Schmierungslösung. Wie sich allerdings bald herausstellte, lag hier nicht der Kern des Problems. Denn eine genauere Betrachtung der Statistiken, Tests und Analysen ergab: Die Dichtungen in den Rollgängen der Warmbreitbandstraße funktio-nierten nicht ordnungsgemäß. Dadurch konnten z.B. Kühlwasser, Schlacke und sonstige Partikel in die Lagerhohlräume eindringen – mit weitreichenden Konsequenzen: Wenn Lager ausfielen und die Rollgangsrollen sich nicht mehr drehten, musste die Produktion gestoppt werden. Darüber hinaus kam es durch das zwischenzeitliche Gleiten der heißen Brammen auf den blockierten Rollen zu Einschlüssen im Rohling. Der so geschädigte Metallblock konnte dann nur noch verschrottet werden.