Höchste Präzision – auch bei großen Durchmessern

O-Ring aus Endlosvulkanisationsverfahren (Bild: COG - C. Otto Gehrckens GmbH & Co. KG)

30.10.2019 Höchste Präzision – auch bei großen Durchmessern

Endlosvulkanisations-Produktionsverfahren ermöglicht Präzisions-O-Ringe auch für extreme Sondergrößen gemäß ISO 3601

von Dipl.-Ing. (FH) Michael Krüger (C. Otto Gehrckens GmbH & Co. KG)

Der O-Ring ist die meistverbaute Dichtung der Welt. Was aber soll der Anwender tun, wenn es sich um die Abdichtung großer Einbauräume handelt? In unterschiedlichen Branchen gibt es eine Nachfrage nach „XXL-O-Ringen“ und der Markt bietet hier meist nur technisch eingeschränkte Lösungen an.

Für den Konstrukteur oder Anwender kann es eine unbefriedigende Situation sein, wenn ab einer bestimmten Größe herkömmliche Präzisions-O-Ringe nicht eingesetzt werden können, weil es keine technisch hochwertigen Produkte am Markt gibt. Ein technisches „Downgrading“ ist in diesen Fällen eine schlechteWahl, da die technisch schlechtere Dichtung den Anforderungen der Anwendung nicht genügt oder aber die Einsatzzeiten bis zum nächsten Dichtungswechsel drastisch sinken.

In der Dichtungstechnik unterscheidet man zwischen O-Ringen aus extrudierten Schnüren und Präzisions-O-Ringen. Beide kommen in unterschiedlichsten Bereichen in der Industrie zum Einsatz. Nur die Präzision-O-Ringe genügen hierbei höchsten Anforderungen. Bisher war die wirtschaftliche Produktion allerdings auf ca. 1.400 mm Durchmesser begrenzt. Mit einem Verfahren ist es möglich, größere Durchmesser auch zu marktgerechten Preisen zu fertigen.

Präzisions-O-Ringe (Bild 1) sind Dichtungen mit einem kreisrunden Querschnitt, die in speziellen Werkzeugen durch Vulkanisation entsprechender Gummimischungen mithilfe von Kompressions- oder Einspritzverfahren hergestellt werden. Auf diese Weise lassen sich O-Ringe in relativ engen Fertigungstoleranzen und mit einer guten Oberflächenbeschaffenheit herstellen. Grundlage für die so gefertigten Präzisions-O-Ringe ist dabei die Norm ISO 3601 mit dem entsprechenden Sortenmerkmal N bzw. S. Aufgrund vorher festgelegter und exakt einhaltbarer Vulkanisationsparameter lassen sich mit Kompressions- und Einspritzverfahren O-Ringe herstellen, die ein gleichbleibend hohes mechanisches Werteniveau über den gesamten Umfang aufweisen. Nur durch dieses hohe Qualitätsniveau können später in der Anwendung gute Dichtwerte über einen längeren Zeitraum erreicht werden.

Allerdings können mit diesem Verfahren nicht beliebig große O-Ringe wirtschaftlich hergestellt werden. Der Grund hierfür ist der enorme Aufwand und die damit verbundenen Kosten zur Erstellung eines Werkzeuges, der in keinem Verhältnis zu einem vernünftigen Angebotspreis steht, den der Hersteller für einen solchen Präzisions-O-Ring vom Kunden verlangen müsste. Dieses gilt i.d.R. schon ab einem Innendurchmesser
> 1.400 mm. Hinzu kommt, dass das Handling derartig großer Werkzeugformen
äußerst schwierig ist und auch die Nacharbeit des O-Rings schwer Norm-konform über den gesamten Durchmesser zu realisieren ist. Deshalb werden von den meisten Herstellern Größen > 1.400 mm nicht angeboten.