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Biobasierte Werkstoffe: Realität oder  Zukunftsmusik?

Die neuen EPDM-Compounds weisen als Formteile einen bis zu 55 % geringeren CO₂-Fußabdruck auf. Sie eignen sich für die Herstellung von O-Ringen, Dichtungen und kundenspezifischen Formteilen (Bild: Trelleborg Sealing Solutions)

09.09.2026 Biobasierte Werkstoffe: Realität oder Zukunftsmusik?

Aktuelle Einschätzungen zu biobasierten Materialien, ihrer Bewertung und ihrem Praxiseinsatz

von Maike Khosrawi (Trelleborg Sealing Solutions)

Als biobasiert verstehen wir vorrangig Rohstoffe, deren Grundchemikalien aus biologischen Prozessen stammen und über eine Massenbilanzierung in etablierte Syntheseverfahren einfließen¹.

Ein aktuelles Beispiel sind unsere Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk (EPDM)-Compounds mit reduziertem CO₂-Fußabdruck. Sie basieren auf erneuerbaren und zirkulären Rohstoffen und erfüllen zugleich die mechanischen und dichtungstechnischen Anforderungen industrieller Anwendungen. Als fertige Dichtung ermöglichen sie eine Reduzierung des Product Carbon Footprint (PCF) um bis zu 55 %. Diese Werkstoffe wurden bewusst für ein breites industrielles Anwendungsgebiet entwickelt und können für statische Dichtungen, wie beispielsweise in Pumpen, Solarpanelen oder Wärmetauschern eingesetzt werden.

Gemeinsam mit Rohstofflieferanten und Kunden arbeiten weltweit Materialexpert:innen an neuen Werkstoffkonzepten auf Basis massenbilanzierter Rohstoffe und innovativer Recyclingtechnologien. Entwicklungspartnerschaften sind dabei unverzichtbar, denn nur unter realen Einsatzbedingungen lässt sich die Anwendungsperformance neuer Werkstoffe langfristig nachweisen. Mit dem neuen Material Innovation Center im European Service Center nahe Stuttgart haben wir dazu eine weitere zentrale Plattform geschaffen.

Anwendende sollten bio­basierte Werkstoffe daher nicht ausschließlich anhand ihres Nachhaltigkeitsbeitrags bewerten. Noch wichtiger sind Medienbeständigkeit, Temperaturverhalten, Lebensdauer und die Zuverlässigkeit in der jeweiligen Anwendung.

Die größten Herausforderungen sehen wir derzeit in der Verfügbarkeit geeigneter Rohstoffe, ihrer wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit sowie dem Nachweis einer dauerhaft gleichwertigen Performance. Langfristig werden sich die Lösungen durchsetzen, die technische Anforderungen, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gleichermaßen erfüllen.

¹ Der Massenbilanzansatz ermöglicht es, die Menge und den Anteil nicht-fossiler Rohstoffe entlang der Wertschöpfungskette nachzuverfolgen und diese auf Grundlage einer überprüfbaren Bilanzierung bestimmten Produkten zuzuordnen. Er stellt sicher, dass die insgesamt im Produktionsprozess eingesetzte Menge nachhaltiger Werkstoffe korrekt erfasst und dem Endprodukt zugeordnet wird – selbst dann, wenn sie mit konventionellen, fossilbasierten Werkstoffen vermischt wird.

Dr. Maike Khosrawi, Manager Material Research, Technology & Innovation, Trelleborg Sealing Solutions
„Für uns beginnt jede Werkstoffentscheidung mit der technischen Leistung. Biobasierte Dichtungswerkstoffe sind strategisch relevant, weil sie dazu beitragen können, die CO₂-Bilanz von Anwendungen zu verbessern, ohne Abstriche bei Zuverlässigkeit, Sicherheit und Lebensdauer zu erfordern.“ Dr. Maike Khosrawi, Manager Material Research, Technology & Innovation, Trelleborg Sealing Solutions

Lösungspartner

Trelleborg Sealing Solutions

Zielgruppen

Einkauf, Konstruktion & Entwicklung, Qualitätssicherung