
Die neue Argon-Technologie adressiert die Verfügbarkeits- und Kostenprobleme mit Helium-Prüfgas (Bild: INFICON)
26.10.2026 Argon-Prüfgas überwindet die Versorgungs- und Preisprobleme
Argon-Vakuumdichtheitsprüfung macht industrielle Anwender unabhängiger von Helium
Die Zahl der Prüfgase, die in Anlagen für industrielle Dichtheitsprüfungen eingesetzt werden, ist überschaubar. Für solche Tests in einer Vakuumprüfkammer kamen bislang nur Helium und Wasserstoff infrage, letzterer als unbrennbares Formiergas-Gemisch (5 % H2, 95 % N2). Helium eignet sich zwar hervorragend als Prüfgas und gestattet sogar die Detektion kleinster Lecks, es hat aber – als Nebenprodukt der Erdgasförderung – zwei gravierende Nachteile: Seine Verfügbarkeit schwankt sehr stark, und sein Preis ist entsprechend volatil. Vor diesem Hintergrund wurde die etablierte Technologie der Vakuum-Dichtheitsprüfung so weiterentwickelt, dass erstmals auch Argon in industriellen Anwendungsszenarien als Spürgas nutzbar wird – für den Nachweis kleiner Lecks bis im besten Fall hinab zu 1 ∙ 10⁻⁶ mbar∙l/s. Der entscheidende Vorzug der neuen Argon-Technologie: Weil die natürliche Argon-Konzentration in der Atmosphäre nahezu 1 % beträgt, lässt sich das Edelgas sehr einfach und nachhaltig aus Luft gewinnen. Mit Argon als Prüfgas gehören die Verfügbarkeits- und Kostenprobleme von Helium, mit denen die Industrie seit Jahren zu kämpfen hat, der Vergangenheit an (Bild 1).
Das chemisch inerte Edelgas Helium hat sich aus gutem Grund als eine Art Goldstandard unter den Prüfgasen etabliert – es gestattet unter idealen Bedingungen Dichtheitsprüfungen bis hinab zu kleinsten Leckraten von 10⁻¹² mbar∙l/s. Das Problem ist allerdings, dass industrielle Anwender von Helium-Vakuumprüfungen in der Vergangenheit bei
ihrem Spürgas immer wieder mit Versorgungsengpässen und Preissprüngen konfrontiert waren. Denn sobald weniger Erdgas gefördert wird, leidet darunter auch der Helium-Markt. Die Kriegssituation am Persischen Golf ist das jüngste Beispiel für solch ein Förder- und Lieferproblem. Katar ist der weltweit wohl größte Exporteur von Flüssiggas (LNG) und auch für rund ein Drittel der weltweiten Helium-Produktion verantwortlich. Infolge des Krieges von USA und Israel mit dem Iran wurden allerdings ein Teil der Produktions- und Verladekapazitäten in Katar zerstört. Gleichzeitig führte die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran dazu, dass der Seetransport aus dem Persischen Golf heraus praktisch völlig zum Erliegen kam – keine guten Aussichten für Unternehmen, die für die Dichtheitsprüfung in ihren Fertigungslinien auf Helium angewiesen sind.

